Landshuter Forscher: Wie Städte widerstandsfähiger werden
Mark Kammerbauer stellt im Wintersemester das Projekt „Klimahaine für Landshut“ vor
Mark Kammerbauer als Referent beim Symposium „Land unter!“, veranstaltet von Schnitzer& an der Hochschule München.
Die Stadt vor Katastrophen schützen
Der Landshuter Dr. Mark Kammerbauer forscht zum Thema resiliente Stadtgestaltung
Hochwasser, Unwetter, Brände, Pandemien. Unbilden vielerlei Art können eine Stadt heimsuchen. Doch vorbeugender Schutz ist möglich. Der Landshuter Architekturforscher und Urbanist Dr. Mark Kammerbauer beschäftigt sich mit der Frage, wie Städte umfassend resilient gestaltet werden können. Im Rahmen eines Seminars an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München stellt er im kommenden Wintersemester das Projekt „Klimahaine für Landshut“ vor.
Das Pfingsthochwasser 2013, das auch Mitterwöhr betraf, der Starkregen am 29. Juni 2021, der die Landshuter Altstadt unter Wasser setzte, die Orkanböen am 31. Juli diesen Jahres, die Bäume umstürzen ließen. Wasser und Sturm machten in den vergangenen Jahren den Landshutern zu schaffen. Und auch Brände gab es in der Stadt in den vergangenen Jahren mehrfach. Im heurigen Sommer war es auch die Hitze, die die Stadtbewohner belastete.
Vorbeugender Schutz ist möglich, sagt der Landshuter Urbanist Dr. Mark Kammerbauer. Schon seit Jahren forscht er darüber, wie Städte gestaltet und gebaut sein sollen, damit die Bewohner Katastrophen möglichst gut überstehen. Kammerbauer ist dabei ein Befürworter eines Allgefahrenansatzes, der nicht nur die Gesamtheit potentieller Risiken umfasst, sondern auch die Institutionen bündelt, die im Schadenfall zum Einsatz kommen. Auch die Bürger selbst sind zur Mitwirkung eingeladen.
Der Wissenschaftler sieht die Notwendigkeit diesbezüglicher Anstrengungen bestätigt durch den kürzlich erschienenen sechsten Bericht des Weltklimarats „Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit“. Dieser verweist auf die Bedeutung klimaresilienter Entwicklung. Resiliente Städte sollen dazu in die Lage gesetzt werden, Stressfaktoren in ganz unterschiedlicher Form zu bewältigen, seien es extreme Trockenzeiten und Regenfälle, aber auch Flüchtlingskrisen oder Pandemien. Kammerbauer sieht daher Stadt- und Regionalplaner wie auch Katastrophenmanager in der geteilten Verantwortung, ein resilientes wie auch nachhaltiges Lebensumfeld zu fördern. „Die große Herausforderung besteht darin, sich nicht nur auf bauliche Artefakte zu konzentrieren, sondern die sozialen, politischen und institutionellen Aspekte des Themas perspektivisch einzubinden“, sagt Kammerbauer. Damit lasse sich auch die sozialräumliche Verwundbarkeit ermitteln.
Buch über die gebaute Umwelt
Er selbst hat an der Bauhaus-Universität Weimar zum Thema Wiederaufbau nach Hurrikan Katrina in New Orleans promoviert. Seine Dissertation hat Kammerbauer 2013 als Buch herausgebracht. Sein auf Englisch verfasstes Werk trägt den Titel „Planning Urban Disaster Recovery“ und wird derzeit aktualisiert. Elf Jahre später brachte er sein Buch „Bavarität – Krisenbewältigung im baukulturellen Raum“ heraus.
Kammerbauer engagiert sich vor Ort in dem Projekt „Klimahaine für Landshut“. Das Konzept der „Landshuter Bauminitiative“ (LBI) soll dazu dienen, an ausgewählten Orten klimaberuhigte Zonen zu schaffen, die allen Menschen Linderung von urbanen Hitzegefahren bieten. Denn wenn es in einer steinernen Innenstadt keine Bäume gibt, wird es an sonnigen Tagen heiß, bleibt es heiß und wird es noch heißer. Dr. Mark Kammerbauer: „Darum ist es ein wesentliches Ziel jeder Stadtplanung, mittels planerischer Anpassung an den schädlichen klimatischen Wandel die Menschen in der Stadt zu schützen“. In einem Seminar am Münchner Rachel-Carson-Center (RCC), das mit der LMU zusammenarbeitet, stellt Kammerbauer das Landshuter Projekt Klimahaine im kommenden Wintersemester vor. Das RCC gilt als das weltweit führende Zentrum im Feld der geisteswissenschaftlichen Umweltforschung.

