SozialesVeranstaltung

Fachtag in Landshut rückt Jugendarmut in den Fokus

21 Fachkräfte diskutierten in der Alten Kaserne über Teilhabe und Prävention.

Fachtag zum Thema Kinder- und Jugendarbeit: Dabei sein können! Jugendarmut erkennen und Teilhabe im Jugendverband ermöglichen

Kürzlich fand zum zweiten Mal ein Fachtag zum Austausch in der Jugendarbeit in der Alten Kaserne in Landshut statt. 21 Fachkräfte, unter anderem aus Jugendtreffs, der Mobilen Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit an Schulen und der kommunalen Jugendpflege nahmen teil, um sich intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Armut den Alltag junger Menschen mitbestimmt und beeinflusst, wie in der Kinder- und Jugendarbeit damit umgegangen werden kann, sowie welche Präventionsmaßnahmen getroffen werden können.

Organisiert wurde der Fachtag gemeinschaftlich vom Kreisjugendring Landshut, dem Stadtjugendring Landshut, der kommunalen Jugendpflege von Stadt und Landkreis Landshut sowie der evangelischen und katholischen Jugend.

Als Referentin war Prof. Dr. Mechthild Wolff, u.a Studiengangsleitung (B.A.) Soziale Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut sowie Leitung des Instituts Sozialer Wandel und Kohäsionsforschung (IKON), eingeladen. Sie eröffnete den Tag mit einer Darstellung von Definitionen, Zahlen und Fakten, gefolgt von interaktiven Diskussionsrunden, bei der sich die Teilnehmenden zu verschiedenen Fragen rund um Kinder- und Jugendarmut, sowie deren Auslösern und den Umgangsweisen damit positionieren mussten – ein lebendiger Auftakt, der zum Austausch und Nachdenken anregte.

Im Anschluss ermöglichte Frau Prof. Dr. Wolff den Teilnehmenden durch Betrachtung von Beispielfällen einen fachlichen Austausch über alltägliche armutsbezogene Themen. Wo schlägt Armut wie auf? – Die Teilnehmenden berichteten von ihren eigenen Erfahrungen.

In Kleingruppen reflektierten die Teilnehmenden, wie im Berufsalltag in der Kinder- und Jugendarbeit versteckte bzw. unsichtbare Armut wahrgenommen werden kann. Auf Basis aktueller Studien wurde deutlich, auf wie viele verschiedene Arten Armut bei jungen Menschen vorkommt, nicht nur in finanzieller Hinsicht. Immer wieder wurde der Bezug zur praktischen Jugendarbeit hergestellt: Wie wird unsichtbare Armut sichtbar im Arbeitskontext? Wie prägt Jugendarmut die Jugendverbandsarbeit? Wie erleben Jugendliche Armut, in welchen Lebenslagen sind sie? Wie kann man Gruppenstunden, Freizeiten und Verbandsstrukturen armutssensibel weiterentwickeln?

Nach der Mittagspause überlegten die Teilnehmenden in Kleingruppen, welche Ansätze der Armutsprävention bereits in der Praxis durchgeführt werden. Gemeinsam wurden die verschiedenen Projekte und Methoden präsentiert und reflektiert. Hier wurde zudem deutlich, wie herausfordernd es ist, die gelernte Theorie in der Praxis umzusetzen.

Zum Abschluss wurden verschiedene niedrigschwellige Methoden, sowie neue Ansätze vorgestellt, mit denen Fachkräfte im Alltag mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch kommen können, um über vermeintlich schambehaftete Themen wie insbesondere Armut zu sprechen. Zudem wurde klar, wie wichtig offene Angebote ohne verbindliche Anmeldung sind, um auch Familien, die von jeglicher Armut betroffen sind, eine Freizeitmöglichkeit für Kinder und Jugendliche zu bieten, ohne sich outen zu müssen oder von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Hierzu ist auch die Vernetzung der verschiedenen Akteure wichtig und dringend nötig. So kann sich regelmäßig ausgetauscht und weitergebildet werden, damit die Kinder und Jugendliche bestmöglich unterstützt werden können.

Der Fachtag machte deutlich, dass Kinder- und Jugendarmut in der Jugendarbeit weit präsenter ist, als vielen bewusst sein mag. Es wurde unterstrichen, wie wichtig niedrigschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche, sowie für deren Familien, sind. Dennoch lebt die Jugendarbeit auch in diesem Zusammenhang von Begegnung, Dialog und der Haltung der Kinder, Jugendlichen und Familien. Der Vortrag beleuchtete die vielfältigen Auswirkungen von Armut auf junge Menschen, darunter eingeschränkte Teilhabechancen, Verschuldung und Periodenarmut. Zudem wurde die Bedeutung eines armutssensiblen Umgangs in der Kinder- und Jugendhilfe, Schule und Sozialarbeit hervorgehoben. Die Fachkräfte erhielten Impulse, wie sie betroffene junge Menschen unterstützen, regionale Hilfsangebote vermitteln und z.B. durch Finanzbildung einer Verschuldung vorbeugen können. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus, viele nahmen neue Ideen und Motivation mit in ihre Einrichtungen. Der Wunsch nach weiterem Verfolgen der am Fachtag besprochenen Thematiken besteht, die Ansätze werden weiterverfolgt und ausgebaut sowie das Netzwerk in der Jugendarbeit erweitert.

Gez. Milena Dinapoli

Mehr anzeigen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"