Aschaffenburg: Luxus-Aufzug zum Schlossufer wird deutlich teurer
Von der barrierefreien Vision zum Millionenprojekt
Aschaffenburg (BY). Die Stadt Aschaffenburg hat sich mit der Umgestaltung des historischen Schlossufers ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Mehr Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit und ein modernes Stadtbild. Herzstück der Maßnahme ist ein freistehender Panorama-Aufzug, der das Mainufer mit der höher gelegenen „Oberstadt“ verbindet. Doch das architektonisch anspruchsvolle Projekt hat sich zu einem kostspieligen Prestigevorhaben entwickelt.
Der Aufzug, der in nur 14 Sekunden die 14 Meter Höhenunterschied zwischen Ufer und Oberstadt überwindet, bietet Platz für bis zu 13 Personen. Mit einem 17 Meter langen Verbindungssteg führt er direkt zur Suicardusstraße und zum Schloss Johannisburg. Die Anlage soll nicht nur barrierefreie Mobilität ermöglichen, sondern auch als architektonisches Highlight dienen – mit schräg gestellten Holzelementen, Glasflächen und einem imposanten Blick auf den Main.
Von 1,86 auf 3,8 Millionen Euro
Als der Stadtrat im Dezember 2021 den Bau beschloss, lagen die geschätzten Gesamtkosten bei 1,86 Millionen Euro. Schon ein Jahr später musste die Stadt auf 3,18 Millionen Euro nachkorrigieren. Begründet wurde die Kostenexplosion mit Lieferkettenproblemen, steigenden Rohstoffpreisen, Mehraufwand im Stahlbau sowie den wirtschaftlichen Folgen des Ukrainekriegs. Im Oktober 2024 war man schließlich bei 3,8 Millionen Euro angekommen – mehr als doppelt so viel wie ursprünglich geplant.
Allein die Außen- und Platzgestaltung rund um den Aufzug schlug dabei mit rund 260.000 Euro zu Buche. Der Aschaffenburger Oberbürgermeister verwies auf „massive Umplanungen beim Stahlbau“, die zusätzliche Kosten und Verzögerungen verursachten.
Feierliche Eröffnung – mit Startproblemen
Am 14. Januar 2025 wurde der Aufzug offiziell eröffnet. Schon in den ersten Tagen kam es zu kurzfristigen Ausfällen, die laut Stadtverwaltung auf Nachjustierungen der Mechanik zurückzuführen waren. In den ersten vier Wochen absolvierte der Aufzug rund 12.000 Fahrten – ein Zeichen für die hohe Akzeptanz, aber auch für die intensive Nutzung.
Staatliche Förderung – aber auf Kosten der Steuerzahler
Die Gesamtmaßnahme „Schlossufergestaltung“ mit Aufzugsanlage, Sanierung historischer Stützmauern und Neugestaltung der Suicardusstraße wird mit einem Zuschuss von 4,04 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln gefördert. Die Gesamtbausumme beträgt etwa sieben Millionen Euro. Doch auch Fördergelder stammen aus Steuermitteln – ein Punkt, den der Bund der Steuerzahler kritisch sieht.
Ein Aufzug mit Aussicht – aber zu welchem Preis? Das Aschaffenburger Beispiel zeigt, wie schnell aus einer guten Idee ein teures Symbolprojekt werden kann.
Quelle: Bund der Steuerzahler


