Gehörlos im Alltag: Herausforderungen in Beruf und Gesellschaft
Cornelia von Pappenheim sprach im Behindertenbeirat über Folgen des Gebärdensprachverbots
v.li: Vorsitzende Monika Voand-Kleemann; Referentin Claudia von Pappenheim; Behindertenbeauftragte Claudia Völkner
Gehörlos im Alltag
Cornelia von Pappenheim über die vielfältigen Herausforderungen von Gehörlosen im Alltag, Beruf und in der Gesellschaft
Die Vorsitzende Monika Voland-Kleemann eröffnete den öffentliche Teil der Sitzung des Behindertenbeirats und begrüßte die Referentin Cornelia von Pappenheim und viele Gäste.
Neben Mitgliedern des Gehörlosen Ortsverbands Landshut e.V. waren auch Studierende des Bachelorstudiengang Gebärdensprachdolmetschen der Hochschule Landshut anwesend.
Frau von Pappenheim, die selbst gehörlos ist, leitet die Geschäfte des Gehörlosenverbandes München und Umland e.V., ist ehrenamtlich im Team des Kompetenzzentrum Gebärdensprache Bayern e. V. KOGEBA Bayern tätig und Mitglied im Vorstand des Behindertenbeirates der Stadt München.
Von Pappenheim veranschaulichte anhand des Beispiels, dass sie nicht telefonieren kann, die Herausforderungen, mit denen gehörlose Menschen im Alltag zu kämpfen haben.
Im Weiteren informierte sie über die Auswirkungen des Gebärdensprachverbots, das Schulen die Verwendung von Gebärdensprachen im Unterricht zugunsten einer reinen Lautsprache der Mundablese-Methode untersagte. Dieses Verbot war 1880 auf dem Mailänder Kongress beschlossen worden und wurde erst 2010 offiziell aufgehoben. Das wirkt bis heute nach: die Deutschkompetenz von gehörlosen Menschen wurde dadurch nicht hinreichend geschult, deren Bildung vernachlässigt und die gehörlosen Kinder in der Schule mitunter misshandelt. Dadurch sind gehörlose Menschen bis heute in ihrem beruflichen Fortkommen beeinträchtigt. Der Bayerische Landtag hat am 21. Mai 2026 einstimmig beschlossen, das historische Gebärdensprachverbot in bayerischen Schulen aufzuarbeiten. Am 22. Oktober 2026 fand dazu eine offizielle Anhörung und ein Fachgespräch im Sozialausschuss des Bayerischen Landtags statt, in dessen Rahmen Berichte der Betroffenen vorgetragen wurden, die der Landesverband Bayern der Gehörlosen e. V. (LVBYGL) gesammelt hatte.
Von Pappenheim zeigte sich optimistisch, dass das Gehörlosengeld, dessen Höhe allerdings noch unklar sei, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, 2027 eingeführt wird.

