Gesundheit & Medizin

Ätherische Öle: BfR mahnt zu Vorsicht bei der Anwendung

Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich – ätherische Öle sollten in der Regel nur stark verdünnt verwendet werden

Berlin. Ätherische Öle werden unter anderem bei Erkältungsbeschwerden, in Erkältungsbädern und Inhalationslösungen sowie zur Raumbeduftung eingesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist jedoch darauf hin, dass insbesondere Säuglinge und Kleinkinder bereits auf kleinste Mengen ätherischer Öle empfindlich reagieren können. In der Vergangenheit wurden in diesem Zusammenhang auch Vergiftungsfälle gemeldet.

Ätherische Öle sind Stoffgemische aus flüchtigen und fettlöslichen natürlichen Pflanzeninhaltsstoffen. Sie kommen unter anderem in pflanzlichen Arzneimitteln, Erkältungsbädern, Sportsalben und Duftölen vor. Bei Erkältungen und grippalen Infekten wird die Anwendung von Präparaten mit ätherischen Ölen häufig als wohltuend und symptomlindernd empfunden. Einige ätherische Öle können beispielsweise schleimlösend, entzündungshemmend, antimikrobiell oder entkrampfend wirken.

Ätherische Öle in der Regel nur stark verdünnt anwenden

Nahezu alle ätherischen Öle sollten nach Angaben des BfR nur in stark verdünnter Form verwendet werden. Andernfalls können unter anderem Hautreizungen oder Atembeschwerden auftreten. Auch allergische Reaktionen sind möglich. Vor der Anwendung empfiehlt das Institut deshalb eine Kontaktprobe an einer kleinen Hautstelle.

Bestimmte ätherische Öle, beispielsweise von Zitrusfrüchten, können auf der Haut nach Sonnenbestrahlung sogenannte fototoxische Reaktionen auslösen. Dabei kann es zu Verbrennungserscheinungen kommen. In solchen Fällen sollte Sonneneinstrahlung vermieden werden.

Besonders vorsichtig und möglichst zurückhaltend sollten ätherische Öle bei Menschen mit allergischer Veranlagung oder Asthma sowie bei Schwangeren, Stillenden, Kindern und Säuglingen eingesetzt werden.

Besondere Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern

Säuglinge und Kleinkinder reagieren wesentlich empfindlicher auf ätherische Öle als Erwachsene. Bestimmte stark wirksame Verbindungen wie Kampfer oder Menthol sind nach Angaben des BfR für Säuglinge und Kleinkinder generell nicht geeignet. Bereits kleinste Mengen, beispielsweise wenige Tropfen oder Dämpfe, die in Mund oder Nase gelangen, können lebensbedrohliche Verkrampfungen des Kehlkopfs und Atemstillstand verursachen.

Darüber hinaus können Haut- und Schleimhautreizungen, Erbrechen, Bewegungsstörungen oder Krampfanfälle auftreten. Bei Kindern unter drei Jahren ist insbesondere bei Kampfer sowie Eukalyptus- und Pfefferminzöl beziehungsweise Menthol besondere Vorsicht geboten, da diese unter anderem lebensbedrohliche Atemwegsprobleme und Krampfanfälle verursachen können.

Für Säuglinge und Kleinkinder sollten deshalb bei Bedarf nur Präparate verwendet werden, die ausdrücklich für diese Altersgruppe ausgewiesen sind. Die vorgeschriebenen Dosierungs- und Anwendungshinweise sind zu beachten. Außerdem sollten entsprechende Präparate nicht im Gesicht angewendet werden. Im Zweifelsfall empfiehlt das BfR eine Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Vergiftungen durch versehentliche Einnahme

Dem BfR sind Vergiftungsfälle mit ätherischen Ölen bekannt. Auch bei den deutschen Giftinformationszentren gehen entsprechende Anfragen ein. Bei Kindern ist häufig die versehentliche Aufnahme von Inhalationspräparaten oder Duftölen die Ursache. Teilweise werden Inhalate zum Schlucken verabreicht, weil sie mit Präparaten zur Einnahme in Tropfenform verwechselt werden.

Werden ätherische Öle versehentlich getrunken, können unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Krampfanfälle oder Atemnot bis hin zu Nierenschäden auftreten. Gelangen flüssige ätherische Öle in die Atemwege, kann dies eine Lungenentzündung verursachen.

Bei Atemnot oder Krämpfen sofort Rettungsdienst verständigen

Zeigt ein Kind nach Kontakt mit ätherischen Ölen akute Beschwerden wie Atemnot, Krämpfe oder Bewusstseinsveränderungen, sollte unverzüglich der Rettungsdienst kontaktiert werden. Nach Hautkontakt kann als erste Maßnahme die betroffene Stelle mit Wasser abgespült werden. Nach versehentlichem Verschlucken kann Wasser oder Tee zur Verdünnung gegeben werden. Zusätzlich kann telefonisch ein Giftinformationszentrum um Rat gebeten werden.

Hat ein Kind Kampfer aufgenommen, sollte es nach Angaben des BfR immer zur Überwachung in eine Kinderklinik gebracht werden. Der Grund: Lebensbedrohliche Atemwegsprobleme und Krampfanfälle können auch zeitverzögert auftreten.

Ätherische Öle kindersicher aufbewahren

Produkte mit ätherischen Ölen sollten grundsätzlich außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Flaschen mit kindersicherem Verschluss können die Sicherheit erhöhen. Tropfdosierer helfen dabei, die notwendige Verdünnung einzuhalten. Besonders wichtig ist außerdem, Tropfen zur Inhalation nicht mit Präparaten zur Einnahme zu verwechseln.

Der Schwerpunkt der BfR-Empfehlungen liegt auf ätherischen Ölen in konzentrierter Form. Geringe Mengen, wie sie natürlicherweise insbesondere in Kräutern und Gewürzen oder daraus hergestellten Lebensmitteln vorkommen, sind nicht Gegenstand der aktuellen Fragen und Antworten des Instituts.


Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), FAQ „Ätherische Öle: Duftende Wirkungen mit Einschränkungen“, 2. September 2026.

Mehr anzeigen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"