Neue Studie: Erstmals flächendeckende Informationen zum Anstieg der UV-Strahlung in Europa
Maßnahmen für Klimaanpassung und UV-Schutz werden immer wichtiger – erneute Teilnahme an der Landshuter Umweltmesse 2027

Bundesamt für Strahlenschutz erneut bei der Landshuter Umweltmesse 2027
Das Bundesamt für Strahlenschutz wird 2027 erneut an der Landshuter Umweltmesse teilnehmen. Damit ist das BfS auch bei der kommenden Messe wieder in Landshut vertreten und bringt wichtige Themen unmittelbar in die Region.
In Europa nimmt die UV-Strahlung der Sonne, die den Boden erreicht, seit Jahren messbar zu. Langzeit-UV-Messreihen haben das für einzelne europäische Standorte bereits gezeigt. Eine neue Studie belegt nun erstmals, dass solche Ergebnisse auch auf größere Regionen übertragbar sind. Dafür werteten Forscherinnen und Forscher Daten von 40 besonders präzisen UV-Messstationen in 19 europäischen Ländern über einen Zeitraum von zehn Jahren aus, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) berichtet. Das BfS war an der Untersuchung beteiligt.
Die Messdaten zeigten an 26 Stationen zwischen 2013 und 2022 einen statistisch signifikanten Anstieg der jährlichen UV-Strahlung um 10 bis 20 Prozent. Besonders stark fällt die Zunahme in Mitteleuropa und Westeuropa aus. Für Deutschland wurden UV-Messdaten einer Sonde in Dortmund ausgewertet.
Satellitengestützte Daten erhöhen Aussagekraft
Die Studie kombiniert die UV-Messdaten von Bodenstationen mit weiteren satellitengestützten Daten der Globalstrahlung in Europa. Beteiligt war das europäische Zentrum Satellite Application Facility on Climate Monitoring (CM SAF), das vom Deutschen Wetterdienst (DWD) betrieben wird.
Das CM SAF erstellt aus Satellitenmessungen Klimadatensätze, unter anderem zu Wolken und Globalstrahlung. Die kombinierte Analyse zeigt, dass sich lokale UV-Strahlungstrends zuverlässig auf größere Regionen übertragen lassen. Für Deutschland und große Teile Mittel- und Westeuropas ergibt sich ein klarer Anstieg der UV-Belastung.
Weniger Bewölkung als Hauptursache
An der neuen Studie, die im Fachjournal „Photochemical & Photobiological Sciences“ erschienen ist, waren neben Wissenschaftler*innen des Bundesamtes für Strahlenschutz über 50 Forschende von Institutionen aus insgesamt 19 europäischen Ländern beteiligt.
Die Forschenden identifizierten als hauptsächlichen Treiber für den Anstieg der UV-Strahlung eine Abnahme der Bewölkung über Europa. Einer der Gründe dafür ist der Klimawandel. Veränderungen der Ozonschicht spielten dagegen eine eher untergeordnete Rolle.
In Regionen wie der Iberischen Halbinsel, in denen die Bewölkung geringer ist, blieb die UV-Belastung im untersuchten Zeitraum auf einem ähnlich hohen Niveau. Die Erkenntnisse der neuen Studie decken sich mit denen früherer Langzeitanalysen des BfS.
Bedeutung von Klimaanpassungsmaßnahmen, auch zum Schutz vor UV-Strahlung
Die zunehmende UV-Belastung der Bevölkerung in großen Teilen Europas bedeutet ein steigendes Risiko für die Gesundheit. Ultraviolette (UV-) Strahlung ist die Hauptursache für Hautkrebs und kann auch die Augen schädigen. Schon heute ist Hautkrebs die häufigste Krebsart in Deutschland. Alleine am schwarzen Hautkrebs (Melanom) erkranken EU-weit etwa 150 000 Menschen jährlich neu.
Maßnahmen zur Klimaanpassung sollten daher auch einen besseren Schutz vor UV-Strahlung zum Ziel haben, wie BfS-Präsidentin Inge Paulini fordert: „Die neue Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Schutz der Bevölkerung vor UV-Strahlung auch hierzulande immer wichtiger wird. Die Forderungen des Strahlenschutzes haben damit besonderes Gewicht: Wer Schatten sucht, muss Schatten finden. Die Anpassung an diese Klimawirkung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und die Herausforderungen sind erheblich. Die gute Nachricht dabei: Viele Maßnahmen zur Klimaanpassung wirken mehrfach. Investitionen in Stadtgrün und neue Schattenplätze leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der Menschen vor Hitze und auch für den UV-Schutz.“
Bundesweites solares Messnetz informiert tagesaktuell über UV-Belastung
Die Studie unterstreiche außerdem die Bedeutung von UV-Messungen in Deutschland sowie ein UV-Monitoring in der gesamten Europäischen Union (EU) über längere Zeiträume: „Für die Forschung sind langfristige und kontinuierliche UV-Messreihen entscheidend. Nur so lassen sich regionale Unterschiede, Klimawandel-Effekte und gesundheitsrelevante Trends zuverlässig erfassen“, sagt BfS-Präsidentin Paulini.
Deutschland verfügt mit dem bundesweiten solaren UV-Messnetz über eine gut ausgebaute Infrastruktur: Die Stationen liefern von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Messdaten für die Wissenschaft und für die Information von Bürgerinnen und Bürgern. Die Daten werden zum Beispiel als UV-Index in Form von Tageshöchstwerten und als Tagesverlauf auf den Seiten des BfS veröffentlicht. Weitere Informationen über UV-Schutz sowie UV-Strahlung und Klimawandel bietet das BfS unter http://www.bfs.de/klimawandel-uv-belastung.
Bundesamt für Strahlenschutz
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des Strahlenschutzes. Die rund 600 Beschäftigten bewerten Strahlenrisiken, überwachen die Umweltradioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.

