Populär

Petra Loibl auf der Buchmesse: Tschechische Literatur und gemeinsame Geschichte im Fokus

Neuerscheinungen greifen auch die gemeinsame Geschichte von Bayern, Tschechen und Sudetendeutschen auf

 

An der Goldküste der Literatur

„Ein Land an der Küste“. Unter diesem Motto präsentierte sich die Tschechische Republik heuer bei der Frankfurter Buchmesse. Indes liegt das Land zwar nicht am Meer, lädt aber mit einer auffallenden Vielfalt an großartiger Literatur zu neuen Ufern ein und eröffnet Leserinnen und Lesern zugleich weite Horizonte. Grund genug für die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Dr. Petra Loibl, MdL, in die Mainmetropole zu reisen, um die zeitgenössische Literatur aus der alten Heimat der Sudetendeutschen näher kennenzulernen. Jedenfalls widmen sich mittlerweile immer mehr Neuerscheinungen aus dem Nachbarland, ganz gleich, ob nun aus den Bereichen Belletristik, Sachbuch oder Kinder- und Jugendbuch, auch der gemeinsamen Geschichte von Bayern, Tschechen und Sudetendeutschen.

„2026 ist für Bayern, Tschechen und Sudetendeutsche ein ganz besonderes Jahr“, so Dr. Petra Loibl, am 9. Oktober 2026 zum Auftakt ihres Gangs über die Frankfurter Buchmesse. „Erst waren wir im Mai Gast beim historischen Sudetendeutschen Tag in Brünn, dem ersten überhaupt auf tschechischem Boden. Dann fanden wir uns im Juli beim Bayerischen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung in Wiesau an der tschechischen Grenze zusammen. Und nun, im Oktober, war die Tschechische Republik Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse, die traditionell ja auch viele Gäste aus dem benachbarten Freistaat anzieht“. So auch die Bayerische Vertriebenenbeauftragte, die nach 2024 nun schon zum zweiten Mal den Weg nach Frankfurt gefunden hatte. „Die Buchmesse ist immer ein Erlebnis, und natürlich noch spannender, wenn ein in der Literatur so bedeutendes, für seine innovativen und kreativen Schriftsteller so bekanntes, Land wie Tschechien Ehrengast ist“.

Besonders beeindruckt zeigte sich die Beauftragte darüber, welchen Stellenwert die Themen „Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg“ und die Suche nach der eigenen Familiengeschichte im östlichen Europa, und die Verständigung zwischen Menschen und Völkern trotz aller Erschwernisse und bitteren Erfahrungen mittlerweile auch bei jüngeren Autorinnen und Autoren hat. „Sich mit den Erfahrungen der eigenen Vorfahren in Pommern oder Ostpreußen, im Banat, in Siebenbürgen, Ungarn, Serbien, dem Baltikum oder Schlesien auseinanderzusetzen, ist längst nichts Ungewöhnliches mehr“, so die Beauftragte. Und auch bei den Schriftstellern aus den Ländern, die den Deutschen einst Heimat waren, wächst das Interesse, sich mit dem deutschen Erbe ihrer Heimat und den generationenübergreifend spürbaren Verbindungen zu ihren ehemaligen deutschen Landsleuten zu befassen.

Besonders gilt das für Tschechien, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Heimat von rund dreieinhalb Millionen Sudetendeutschen. Immer mehr tschechische Autoren – und vor allem Autorinnen – widmen sich in ihren Werken dieser Thematik. So auch Alice Horácková in ihrem Monumentalwerk „Geteiltes Haus“, über das die Beauftragte mit der Autorin am Stand des Zürcher Diogenes Verlags in ein sehr lebhaftes Gespräch kam. Dr. Petra Loibl zeigte sich dabei begeistert von Inhalt und Konzeption eines Romans, der zum Nachdenken einlädt und jedem an Geschichte Interessierten zu empfehlen ist. Eher an jüngere Leser richtet sich die Graphic Novel „Sudetenlove“ von Filip Raif, dessen Übersetzerin ins Deutsche, Katharina Hinderer, der Beauftragten ihre interessierten Fragen beantwortete. „Dieses Buch wäre durchaus auch als Schullektüre hervorragend geeignet“, so Dr. Petra Loibl.

Gleiches gilt auch für die Erzählung „Prag 1989. Tagebuch einer Siebzehnjährigen“ von Magdaléna Platzová aus dem Landsberger Balaena Verlag, das zur Zeit der Wende spielt und anschaulich vermittelt, was junge Tschechinnen und Tschechen seinerzeit in ihren Kampf für die Freiheit und gegen die kommunistische Zwangsherrschaft zu investieren bereit waren. „Dieses Buch ist auch für die heutige Zeit von großer Relevanz, in der immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheint, welche Verheerungen der Kommunismus in den Gesellschaften des östlichen Europas und auch der ehemaligen DDR angerichtet hat“, so Dr. Petra Loibl. Begleitet wurde die Beauftragte bei ihrem Rundgang von Dr. Claudia Maria Pecher, Leiterin des Bereichs Politik, Bibliotheken und Kommunikation des Münchner Sankt Michaelsbunds, die auch die Gesprächstermine an den Messeständen organisiert hatte.

Bildquelle: Geschäftsstelle der Beauftragten für Aussiedler und Vertriebene

Mehr anzeigen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"