Lustiges professorales Framing

von Josef Kraus
„Framing ist nichts Neues, sondern vor allem eine Spezialität totalitärer Regime.“ Diesen Satz schrieb ein gewisser Henning Lobin am 21. Februar 2019 in der „Süddeutschen“. Richtig, denn „Framing“ bedeutet: Einen bestimmten Sachverhalt zu „rahmen“, das heißt, in einen anderen Kontext stellen, so daß er zu den oft genug unlauteren Intentionen des Akteurs paßt. Eigentlich ist Framing damit Vulgärbehaviorismus. Man koppelt einen an sich positiven Sachverhalt immer wieder mit negativen Assoziationen, zum Beispiel mit Angst vor Ausgrenzung, und schon ist der Empfänger der Assoziation, der Bürger Normalo, propagandistisch, demagogisch, manipulativ, volkspädagogisch, „brainwashed“ auf Linie. So gelingt ein Regieren mit Angst: Phobokratie.
Kehren wir zurück zum Autor des eingangs zitierten Satzes. Es ist Hennig Lobin (57), er firmiert als Professor der Linguistik an der Universität Mannheim und seit 2018 als Direktor des dort ansässigen Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS), das eng mit dem Duden-Verlag kooperiert. Lobin hat kürzlich ein 186 Seiten umfassendes Bändchen geschrieben. Der Titel „Sprachkampf“ verheißt eine kritische Analyse der aktuellen Entwicklung der deutschen Sprache. Diese Vermutung währt allerdings nur wenige Sekunden. Denn bereits mit dem Untertitel werden wir „geframed“: „Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert.“
Aha, jetzt wissen wir, wohin der Hase läuft. Aus der Feder eines Professors, der Framing für eine „Spezialität totalitärer Regime hält.“ Und schon sind wir mitten drin. Kritik an der Rechtschreibreform, Kritik an der inflationären Zunahme an Anglizismen, Kritik an der Unterordnung der deutschen Sprache in der EU, Kritik am Verschwinden der deutschen Sprache als Sprache der Wissenschaft, Kritik an den Gesinnungsschablonen der „political correctness“, Kritik an der „Gender“-Sprache, Forderung nach Aufnahme der deutschen Sprache in Grundgesetz, Forderung nach einer Förderung des Deutschlernens im Ausland: Für Lobin kommt all das aus Vorfeldorganisationen der AfD. Zum Beispiel aus dem Verein Deutsche Sprache (VDS), laut Lobin einem „Kampfverband“, aber auch aus der FAZ, die renommierten Germanisten wie Peter Eisenberg oder Helmut Glück Platz gibt für deren Kritik an der Gendersprache. Laut Lobin betreibt die FAZ damit eine „notdürftig in Expertentum gehüllte Einseitigkeit.“ „Haltet den Dieb“, hat der ach so „woke“ Framing-Kritiker Lobin vergessen auszurufen.
„Oje, oje, ojemine,“ ist man versucht, schier mitleidig auszurufen. Zumal Lobin das Bändchen ja in der Freizeit geschrieben hat, wie er betont. Schließlich will er den Verdacht, er habe es in seiner Arbeitszeit getan, bereits im Keim ersticken. Es hindert ihn aber nicht daran, mit seinen Funktionen hausieren zu gehen und sich arrogant-ignorant über alle Kritik an den oktroyierten Verirrungen der deutschen Sprache hinwegzusetzen. Zum Beispiel auch über die Tatsache, daß – je nach Umfrageinstitut – zwischen zwei Dritteln und 87 Prozent der Bürger die „gegenderte“ Sprache ablehnen.
Lobin ficht all das nicht an. Daß ihm der Duden-Verlag dafür eine Plattform bietet, verwundert nicht. Denn dieser Verlag hat sich die letzten Jahre nicht gerade mit Ruhm bekleckert: nicht bei der Rechtschreibreform und nicht im Bemühen, für (Pseudo-)Anglizismen deutsche Begriff zu finden. Schlimmer noch: Der Duden-Verlag hat sich in die „Avantgarde“ der Genderisten eingereiht mit Bänden wie „Richtig gendern“. Es wäre eigentlich an der Zeit, zumal in Zeiten ständiger Namensänderungen, den Namen Konrad Dudens nicht weiter zu mißbrauchen.
Eine persönliche Anmerkung noch: Die in Lobins Buch am häufigsten benannten und attackierten Namen bzw. Personen heißen Walter Krämer, VDS-Vorsitzender, und Josef Kraus, Autor dieser Kolumne. Der erste kommt über zehnmal, der zweite siebenmal vor. Klischeehaft verzerrt! Wenn man, wie diese beiden, von echten Autoritäten zitiert oder auch korrigiert wird, ist das ein Ritterschlag. Hier wird die Sache zum Amüsement.

