Deutschland trägt größte Kosten im EU-Emissionshandelssystem
Bericht sieht Milliardenbelastung – möglicher Reformgewinn von bis zu 11 Milliarden Euro jährlich

Deutschlands ETS-Ausstiegsdividende: bis zu 11 Milliarden Euro pro Jahr
Deutschland hat mit Abstand den größten stationären Fußabdruck im EU-Emissionshandelssystem (ETS): Im Jahr 2023 fielen rund 289 Millionen Tonnen CO₂ unter das System, und die jährlichen Auktionskosten beliefen sich beim Referenzpreis für Emissionszertifikate auf etwa 7,25 Milliarden Euro. Die negativen Nettoauswirkungen auf das deutsche BIP werden auf 1,1 bis 6,1 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
Die Zahlen stammen aus einem neuen Bericht des Warsaw Enterprise Institute mit dem Titel „In Search of the Optimal Climate Policy: A Comparison of the Economic Impact of the ETS and Its Alternatives“, der die Kosten des ETS für jeden Mitgliedstaat quantifiziert und das System mit alternativen klimapolitischen Instrumenten vergleicht.
Dem Bericht zufolge deckt die kostenlose Zuteilung nur 43,1 % der stationären Emissionen in Deutschland ab, was ein Zertifikatsdefizit von rund 74 Millionen Tonnen hinterlässt – das größte in absoluten Zahlen in der EU. Während die Pro-Kopf-Belastung noch moderat ist (14–74 €), bedeutet die schiere Größe der deutschen Wirtschaft, dass sie den größten Einzelanteil an den EU-EHS-Kosten trägt. Nach derselben Rechnung erzielt Deutschland auch einen der größten absoluten Reformgewinne: Der Bericht schätzt einen Netto-Pro-Kopf-Gewinn von 24–133 € durch den Ausstieg aus dem ETS, was – auf 83 Millionen Einwohner umgerechnet – 2,0–11,1 Milliarden € pro Jahr entspricht.
Der Bericht beschränkt sich nicht auf die Quantifizierung der Kosten. Er entwirft einen vorübergehenden Stabilisierungsmechanismus – proportionale Durchsetzung, stärkere Schutzmaßnahmen und eine Stabilisierung der EUA-Preise sowie Maßnahmen zur Sicherung der Versorgungssicherheit – und präsentiert eine längerfristige Alternative zum ETS in Form von Dekarbonisierungssteuersenkungen (DTCs) und Rapid Innovation Funds (RIFs), wobei argumentiert wird, dass diese das Klimaziel wahren und gleichzeitig Kapital direkt in Investitionen lenken könnten.
DEN GANZEN BERICHT LESEN (ENGLISCH)
Auf der Suche nach der optimalen Klimapolitik: Ein Vergleich der wirtschaftlichen Auswirkungen des ETS und seiner Alternativen. Verfügbar unter:
https://wei.org.pl/en/2026/bez-kategorii-en/admin/report-in-search-of-the-optimal-climate-policy/
ÜBER DAS WARSAW ENTERPRISE INSTITUTE
Das Warsaw Enterprise Institute (WEI) ist ein vom Verband der Unternehmer und Arbeitgeber (ZPP) gegründeter Think Tank. Es führt Forschungen und Analysen zu Wirtschaftspolitik, Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit durch und setzt sich für marktwirtschaftliche Lösungen in Polen und in der gesamten Europäischen Union ein.

