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Nahrungsergänzung im Alter: BfR warnt vor unbedachter Einnahme

Gesunde Senioren benötigen Mikronährstoffpräparate meist nicht – Risiken durch Überdosierung und Wechselwirkungen werden häufig unterschätzt

Berlin. Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen gehören für viele ältere Menschen zum Alltag. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist eine regelmäßige Einnahme bei gesunden älteren Menschen in den meisten Fällen jedoch nicht erforderlich. Wer gesund ist, sich ausgewogen ernährt und körperlich aktiv bleibt, kann seinen Bedarf an Mikronährstoffen in der Regel auch im höheren Lebensalter über die normale Ernährung decken.

Das BfR weist darauf hin, dass ältere Menschen keine einheitliche Bevölkerungsgruppe darstellen. Gesundheitszustand, Ernährungsweise, Erkrankungen und Medikamenteneinnahmen unterscheiden sich teils erheblich. Deshalb lasse sich auch der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen nicht pauschal beurteilen. Entscheidend seien die individuelle Lebenssituation und der Gesundheitszustand.

Besonders bei pflegebedürftigen Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen, körperlichen Einschränkungen oder dauerhaft geringer Nahrungsaufnahme könne das Risiko für Nährstoffdefizite steigen. Auch bestimmte Medikamente können die Aufnahme, den Stoffwechsel oder den Bedarf einzelner Vitamine und Mineralstoffe beeinflussen. In solchen Fällen kann eine individuelle Ernährungsberatung und ärztliche Abklärung erforderlich sein.

Als besonders relevant im höheren Alter gelten unter anderem Vitamin D und Vitamin B12. Die Fähigkeit des Körpers, Vitamin D über die Haut zu bilden, nimmt mit zunehmendem Alter ab. Ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Versorgung besteht insbesondere bei Menschen, die sich wenig im Freien aufhalten, chronisch krank, mobilitätseingeschränkt oder pflegebedürftig sind. Auch die Aufnahme von Vitamin B12 kann im höheren Alter beeinträchtigt sein. Das BfR empfiehlt älteren Menschen deshalb, ihren Vitamin-B12-Status kontrollieren zu lassen und gegebenenfalls nach ärztlicher Rücksprache zu supplementieren.

Gleichzeitig warnt das BfR vor einer langfristigen Überversorgung durch hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel. Eine zusätzliche Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen über den tatsächlichen Bedarf hinaus bietet für gut versorgte Menschen in der Regel keinen gesundheitlichen Nutzen und kann das Risiko einer Überversorgung erhöhen.

Bei einer exzessiv hohen chronischen Vitamin-D-Zufuhr können beispielsweise erhöhte Calciumwerte im Blut auftreten. Diese können Nierensteine, Nierenverkalkungen und Einschränkungen der Nierenfunktion begünstigen. Auch bei langfristig zu hohen Calciummengen über Nahrungsergänzungsmittel können erhöhte Calciumkonzentrationen im Blut auftreten. Zudem gibt es laut BfR Hinweise darauf, dass hoch dosierte Calciumpräparate das Risiko für Herzkrankheiten erhöhen könnten.

Auch bei Eisen, Vitamin E, Magnesium und Vitamin B6 ist Vorsicht geboten. Hohe zusätzliche Eisenaufnahmen werden unter anderem im Zusammenhang mit möglichen Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes mellitus Typ 2 diskutiert. Hohe Vitamin-E-Aufnahmen können die Blutgerinnung beeinträchtigen. Magnesiumpräparate können insbesondere in höheren Dosierungen Durchfälle verursachen. Eine langfristig hohe Vitamin-B6-Aufnahme kann wiederum neurotoxische Wirkungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle, Brennen oder Schmerzen in Händen und Füßen sowie Störungen der Bewegungskoordination verursachen.

Für verschiedene Mikronährstoffe hat das BfR deshalb Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, um das Risiko einer Überversorgung zu begrenzen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung bestimmter Arzneimittel verstärken oder abschwächen. Hohe Mengen an Magnesium oder Calcium sowie Zink und Eisen können beispielsweise die Aufnahme bestimmter Antibiotika und Schilddrüsenmedikamente beeinträchtigen. Vitamin K kann die Wirkung bestimmter gerinnungshemmender Arzneimittel abschwächen, während Vitamin E und Glucosamin deren Wirkung unter bestimmten Umständen verstärken und damit das Blutungsrisiko erhöhen können.

Das BfR weist zudem darauf hin, dass hoch dosierte Biotinpräparate bestimmte Laboruntersuchungen verfälschen können. Dadurch können beispielsweise Probleme bei der Diagnostik eines Herzinfarkts oder bei der Interpretation von Schilddrüsenwerten entstehen.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Nahrungsergänzungsmittel deshalb nach Empfehlung des BfR möglichst nicht ohne ärztliche oder pharmazeutische Beratung verwenden.

Nach Einschätzung des Bundesinstituts bietet eine zusätzliche Aufnahme von Vitaminen oder Mineralstoffen über den tatsächlichen Bedarf hinaus für gut versorgte Menschen in der Regel keinen gesundheitlichen Vorteil. Das BfR empfiehlt daher, Nahrungsergänzungsmittel nicht eigeninitiativ einzunehmen, sondern vorab die individuelle Versorgungssituation, mögliche Erkrankungen, Medikamenteneinnahmen sowie die geeignete Dosierung berücksichtigen zu lassen.


Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), FAQ „Nutzen und Risiken von Mikronährstoffsupplementen im Alter“, 24. August 2026.

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