Bürger sehen Defizite bei Arbeitsplatzsicherung, Förderkompetenz und Klimaschutz vor Ort
BVS-Studie zeigt Handlungsbedarf bei Wirtschaft, Jobs und Förderung in Bayerns Kommunen

Wirtschaftsförderungskompetenz, Arbeitsplatzsicherung und Umweltschutz:
„BVS-Stimmungsbarometer 2026“ zeigt kommunale Handlungsfelder in Bayern
Repräsentative Studie offenbart Defizite, Optimierungspotenziale und Nachholbedarf aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger des Freistaats
Einige Wochen nach den Kommunalwahlen vom 8. März stehen die neu gewählten Mitglieder der Städte- und Gemeindevertretungen vor zentralen Weichenstellungen für die kommenden Jahre. Vor diesem Hintergrund legt die Bayerische Verwaltungsschule (BVS) ihr „BVS-Stimmungsbarometer 2026“ vor. Die repräsentative Studie unter 1.000 Wahlberechtigten im Freistaat zeigt deutlich, wo Bayerns Bürgerinnen und Bürger aktuell den größten Handlungsbedarf sehen. Im Fokus stehen dabei insbesondere wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven, Arbeitsplatzsicherung, staatliche Förderung sowie Umwelt- und Klimaschutz auf kommunaler Ebene. Die Ergebnisse machen deutlich, wo Kommunen jetzt besonders gefordert sind und wo konkrete Optimierungs- und Veränderungspotenziale liegen.
Wirtschaft, Arbeitsplätze und der ländliche Raum
Die wirtschaftliche Entwicklung ihres Wohnorts und insbesondere die Sicherung von Arbeitsplätzen bewegen Bürgerinnen und Bürger in Bayern merklich. Nahezu jeder zweite Befragte (42 Prozent) nimmt an seinem Wohnort immer weniger Arbeitsplätze wahr, wobei sich hier ein deutliches Stadt-Land-Gefälle zeigt: Während in Großstädten 37 Prozent aller Umfrageteilnehmenden der Auffassung sind, in der jeweiligen Kommune gebe es immer weniger Arbeitsplätze, sieht dies in ländlichen Gebieten fast jeder Zweite (47 Prozent) so. Insgesamt fordern 77 Prozent[JD4] aller befragten Bürgerinnen und Bürger mehr Einsatz bei der Schaffung und Erhaltung lokaler Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Über die Hälfte (60 Prozent) wünscht sich deutlich eine Förderung lokaler Unternehmen, die vor Ort Arbeitsplätze schaffen. Auch die Erschließung neuer Gewerbegebiete wird positiv interpretiert: Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Befragten ist überzeugt, dass dadurch die Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürger im Einzugsgebiet verbessert würde.
Kompetenzmangel bremst stärkere Förderung von Kommunen
Bürgerinnen und Bürger in Bayern sehen auf Seiten ihrer Verwaltung zudem Defizite bei der Erschließung von Fördermitteln und der Unterstützung lokaler Akteure. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass ihre Gemeinden viel mehr Zuschüsse und Fördermittel erhalten könnten, es hierfür aber anscheinend an den nötigen Kompetenzen fehlt. Ebenfalls mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Umfrageteilnehmenden glaubt, lokale Unternehmen bekämen sehr wenig Unterstützung, wenn es um mögliche Förderung oder finanzielle Zuschüsse geht.
„Durch bessere Kenntnis von Förderprogrammen und zielgerichtete Antragstellung können Verwaltungen mehr Ressourcen für ihre Gemeinden mobilisieren“, weiß Hans-Christian Witthauer, Vorstand der Bayerischen Verwaltungsschule.
Moderater Handlungsdruck bei ökologischen Themen
Umwelt- und Klimaschutz haben für viele Menschen in Bayern weiterhin einen hohen Stellenwert. Mehr als ein Drittel (39 Prozent) aller Befragten ist der Überzeugung, es müsse vor Ort mehr getan werden, um das Klima zu schützen. Nahezu jeder fünfte Umfrageteilnehmende (17 Prozent) nennt umweltrechtliche und umwelttechnische Belange als eine der wichtigsten Herausforderungen der lokalen Verwaltung. Knapp jeder Dritte (30 Prozent) ist der starken Überzeugung, dass es zu wenig behördliche Unterstützung für die vom Klimawandel betroffenen Gebiete in Bayern gibt.
„Unsere Studie zeigt eindrücklich, welche Themen Bayerns Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind und bei welchen Handlungsfeldern sie noch Nachholbedarf in ihren lokalen Verwaltungen sehen“, betont Witthauer. „Die Bayerische Verwaltungsschule wird die Erkenntnisse der Studie unmittelbar in ihre Qualifizierungsangebote einfließen lassen, damit kommunale Verwaltungen auf diese Sorgen und Wünsche angemessen reagieren und den berechtigten Ansprüchen ihrer Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft gerecht werden können.“
Das komplette „BVS-Stimmungsbarometer 2026“ geht auch auf Kernthemen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI), behördliche Transparenz sowie die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bevölkerung ein. Darüber hinaus findet sich hier eine Übersicht über die Highlight-Erkenntnisse der einzelnen Regierungsbezirke. Die gesamte Studie kann unter www.bvs.de/umfrage abgerufen werden.
Methodologie
Das BVS-Stimmungsbarometer 2026 basiert auf einer Umfrage von Arlington Research im Auftrag der BVS mit einer Stichprobe von 1.000 wahlberechtigten Personen ab 18 Jahren aus allen sieben bayerischen Regierungsbezirken. Die Geschlechterverteilung war nahezu ausgeglichen, mit 51 Prozent weiblichen und 49 Prozent männlichen Teilnehmenden. Die Befragten lebten annähernd gleichverteilt in unterschiedlichen Siedlungsstrukturen: 28 Prozent in Großstädten, 22 Prozent in mittelgroßen Städten, 23 Prozent in Kleinstädten sowie 27 Prozent im ländlichen Raum. Die Mehrheit der Teilnehmenden war vollzeitbeschäftigt (51 Prozent). Die Erhebung fand vom 3. bis 19. September 2025 statt. Zusätzlich wurden fünf Bürgermeisterinnen beziehungsweise Bürgermeister bayerischer Gemeinden zwischen Oktober und November 2025 hinsichtlich ihrer Perspektive auf Themen wie Digitalisierung, Fachkompetenzen der Verwaltungsmitarbeitenden und den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger in ihrem Zuständigkeitsbereich im Rahmen qualitativer Interviews befragt. Der folgende Report enthält anonymisierte Zitate aus diesen Befragungen.

„Durch bessere Kenntnis von Förderprogrammen und zielgerichtete Antragstellung können Verwaltungen mehr Ressourcen für ihre Gemeinden mobilisieren“, weiß Hans-Christian Witthauer, Vorstand der Bayerischen Verwaltungsschule.



