Daten & Fakten

2G-Abschaltung könnte Millionen Autos ohne Notruf lassen

Rund 16 Millionen Fahrzeuge und auch Aufzüge von Folgen betroffen

Die angekündigte Abschaltung des 2G-Mobilfunknetzes durch Telefónica (O2) in der zweiten Jahreshälfte 2028 könnte weitreichende Folgen für Millionen Fahrzeughalter in Deutschland haben. Nachdem auch der letzte der drei großen Netzbetreiber den Ausstieg angekündigt hat, könnten ab Herbst 2028 rund 16 Millionen Fahrzeuge nach einem Unfall nur noch in Ausnahmefällen automatisch einen Notruf (eCall) absetzen.

Betroffen sind Fahrzeuge, deren eCall-Systeme auf die Mobilfunktechnik 2G angewiesen sind. Die automatische Notruffunktion wurde für Fahrzeugtypen verpflichtend, die zwischen dem 31. März 2018 und dem 31. Dezember 2025 ihre Typgenehmigung erhalten haben. Seit dem 1. Januar 2026 erfolgen Notrufe über die Mobilfunkstandards 4G und 5G.

Nach Angaben von Frank Brennecke, Geschäftsführer des eCall-Herstellers OECON P&S GmbH, stellt die bevorstehende Netzabschaltung ein erhebliches Problem dar. Neben Fahrzeugen sind auch Aufzugsanlagen betroffen, deren Notrufsysteme ebenfalls über das 2G-Netz kommunizieren.

Eine einfache Lösung über Smartphone-Apps sehen Fachleute derzeit nicht. Hintergrund sind technische und rechtliche Anforderungen an die automatische Auslösung des Notrufs. So müsste ein Smartphone fest mit dem Fahrzeug verbunden sein und auf dessen Daten zugreifen können. Auch dem ADAC sind aktuell keine Nachrüstlösungen für die betroffenen Systeme bekannt.

Als mögliche Alternative gelten der Austausch vorhandener eCall-Module oder der Einbau zusätzlicher Geräte. Dies kann jedoch mit erheblichen Kosten verbunden sein. Zudem nutzen viele Hersteller-Notrufsysteme das 2G-Netz bislang als Rückfallebene, sodass die Auswirkungen der Abschaltung über den klassischen eCall hinausgehen könnten.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert daher einen langfristigen Weiterbetrieb des 2G-Netzes. Ziel sei es, die Funktionsfähigkeit bestehender Notrufsysteme weiterhin sicherzustellen. Der Verband spricht sich dafür aus, die Technologie europaweit noch für weitere zehn bis fünfzehn Jahre verfügbar zu halten.


Quelle: auto motor und sport, Beitrag von Claudius Maintz. Eigene redaktionelle Zusammenfassung.

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