„Zwischen Wahrheit und Propaganda“
Josef Kraus: Vortrag in Bonn, 1. Mai 2023
„Zwischen Wahrheit und Propaganda“.
Eine hinsichtlich Entstehung und Herkunft nicht näher belegbare Redensart lautet: „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.“ Es ist höchst bedenklich, wenn dem selbst in einem freiheitlichen Rechtsstaat so ist. Leider aber hat sich diese Sentenz in vielen Köpfen festgesetzt. Schlimmer noch: Es finden sich sogar immer weniger Leute, die Wahrheiten wenigstens aussprechen, um dann – siehe das Pferd – das Weite zu suchen. Nein, man schweigt von Anbeginn. „Schweigespirale“ – man kennt diese Dynamik. Deutschland droht wieder zu einem „Land der Flüsterer“ (DDR-Jargon) zu werden. Aber das kann es nicht sein: Denn man ist nicht nur für das verantwortlich, was man sagt, sondern auch dafür, was man nicht sagt, was aber gesagt werden muß.
Wahrheiten, Realitäten können wehtun. Deshalb meidet man sie. Man versucht, sie zu verdrängen, aber das Verdrängte gärt unbewußt weiter, zumindest bis die „kognitive Dissonanz“ zugunsten der Lüge aufgelöst ist. Man glaubt an Lügen und Verzerrungen, wird „para“-noid, neben die Realität gerückt, ver-rückt. Man berauscht sich, raucht sich die Realität mit Cannabis schön. Vielleicht ist das der Grund, warum die „Ampel“-Regierung Cannabis freigeben will. „Soma“, die Glücksdroge aus Huxleys „Brave New World“, läßt grüßen.
Wieder andere schieben Wahrheit beiseite, indem sie sich pseudo-intellektuell am Opium abergläubischer Narrative ergötzen, etwa daß der deutsche Michel mit seinem Anteil von 1 Prozent der Weltbevölkerung das Klima bestimme; daß der Mensch aus mehr als 60 Geschlechtern bestehe; daß Deutschland millionenfache Zuwanderung brauche usw. Es sind dies Narrative, ja Dogmen, einer sich avantgardistisch gebenden Mini-Minderheit im einstelligen Prozentbereich, die für sich Toleranz total einfordert, gegenüber der Mehrheit aber auf repressive Intoleranz macht.
Des mündigen Bürgers Sache darf das nicht sein. Er darf nicht quasi regierungsamtlich und medial vorgesetzt bekommen, wie er Welt zu sehen habe, er soll „wahr“-nehmen können, was auf der Welt, was in diesem Lande geschieht. Wahr-nehmen, nicht Falsch-nehmen! Unterscheiden können zwischen „Dichtung und Wahrheit“!
These 1
Ziel der real existierenden Propaganda des polit-medialen Konvoluts (an dem auch manch eilfertiges, zunehmend „wokes“ Kapital mitwirkt) ist ein anderes Land mit einem neuen Bild von Mensch und Gesellschaft.
Von einem „Wahrheits“-Kartell könnte man sprechen. Wahrheit definiert sich hier nicht mehr empirisch, sondern normativ. Die Kategorien wahr/unwahr werden ersetzt durch gut/böse. Das hybrid-pädagogische Propaganda-Ziel ist Konformität, Ent-Individualisierung. „Der neue Mensch wird gemacht“ (Lenin): formbar, ver-bildet/un-gebildet, bindungslos promisk, im besten Fall sequentiell monogam, ewig postpubertär, gender-fluid, queer, anti-weiß, bekennend antifaschistisch, antirassistisch, antikolonialistisch, schuldbeladen. klimaneutral, one-world-regenbogenfarben, fortpflanzungsunwillig, jakobinisch egalisiert“. Mit anderen Worten: der „woke“ Untertan und Herdenmensch. Alle sollen konform reisen, GPS-ortbar sein, gleich essen (vegan), bargeldlos und digital rekonstruierbar einkaufen, gleich heizen, gleich wohnen, sich – patientendigitalisiert – den gleichen Impfungen unterziehen. Das Private inkl. Sexualität, das Privateste, wird politisch.
Eine schier totalitäre Demokratie könnte man es nennen. Begründet mit der angeblich überfälligen Dekonstruktion tradierter Gehäuse und Sinnbezüge (Ehe von Mann und Frau, Familie, Volk) – einer Dekonstruktion, die aber nichts anderes ist als Destruktion der „conditio humana“ und als autoaggressive Abwertung des Eigenen. Das erinnert an Fausts Studierzimmer und des „Pudels Kern“ (Mephisto). Letzterer deklamiert: „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht …“
So in etwa muten die „Visionen“ der „Ampel“ und ihrer Giftküchen an. Siehe: das „Selbstbestimmungsgesetz“, nach dem man im jährlichen Wechsel möglicherweise schon ab 14 Jahren sein Geschlecht durch Selbstauskunft beim Standesamt ändern kann; das Gesetz zur Co-Mutterschaft oder die geplanten neue Energie- und Baugesetze. Und dann auch noch ein „Demokratiefördergesetz“! Daraus wird eine Demokratur der selektiven Toleranz, die nur toleriert, was Staat und mediale Herolde vorgeben. „Herrschaftsfreier Diskurs“? Satz mit x: Is‘ wohl nix! Daß all das auch noch Diskurs genannt wurde und nicht Propaganda, ist schon ein Erfolg von Propaganda.
Was brauchen wir da noch ein chinesisches „social-score“-Punkte-System? Haben wir doch staatliche, halbstaatliche, kommunale, mediale Tribunal-Meldestellen (zum Beispiel der Amadeu-Antonio-Stiftung), Antidiskriminierungsbeauftragte, ein Netzdurchsuchungsgesetz und den Pranger der (a)sozialen Medien, die zur Denunziation auffordern, wenn etwa jemand eine vom vorgegebenen Mainstream abweichende Meinung vertritt, demnächst zum Beispiel als Wärmepumpen-Leugner gilt. Folge: Es wächst eine Post-68er „Wächtergeneration“ (Peter Furth) heran. Deutsche Denunzianten-Republik? „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Letztere Aussage wird übrigens Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter des Deutschlandliedes (1841), zugeschrieben. Noch heftiger urteilt Dante über den Verräter: Im Inferno findet sich dieser im untersten Höllenkreis, nämlich eingefroren im ewigen Eis.
Denunziation: Ist das im „besten Deutschland, das es jemals gegeben hat“ (Frank-Walter Steinmeier 2020) wieder Alltag? Dabei wird abweichende Meinung oft schärfer verurteilt als Delinquenz. Ein „Wahrheitsministerium“ und eine „Gedankenpolizei“ lassen grüßen. Man muß übrigens Orwells „1984“ nicht mehr lesen. Es reicht aufzuschreiben, was alltäglich los ist, und man hat „1984“ in Serie. Vor allem aber ist Irreführung angesagt. Noch einmal Mephisto: Laß nur in Blend- und Zauberwerken // Dich von dem Lügengeist bestärken …“ Darauf paßt Arnold Gehlen („Moral und Hypermoral“, 1969): „Teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen zwingt, in ihm zu leben.“ Oder auch Alexander Solschenizyn (1979): „Laßt uns nicht mit der Lüge leben!“
These 2
Der Staat entwickelt sich medial orchestriert zu einem propagandistischen Gouvernantenstaat. Die Öffentlich-Rechtlichen inkl. gewisse Traditionsblätter aus München und Hamburg sind aus ihren gentrifizierten Parallel-Welten heraus zu Transmissionsriemen der Regierenden geworden.
Immer mehr Journalisten lassen sich dafür als willige Helfer in Dienst nehmen und werfen ihr Berufsethos über Bord. Solche Medienschaffenden nannte Martin Walser „Meinungssoldaten“. Kurz: Die Vierte Gewalt versagt in nicht wenigen Bereichen. Korrumpiert mit Reptilienfonds 2.0? „Reptilienfonds“ – eine Wortschöpfung von Bismarck! Er sagte 1866: „Ich nannte Reptile diejenigen, … die das aussprechen, was die Regierung will.“ Bismarck erkaufte sich damit eine geneigte Presse. Aber wer ist schon Bismarck? Er taugt laut Außenministerin Baerbock ja nicht einmal mehr als Namensgeber für einen Besprechungsraum im AA. Dieser heißt jetzt „Saal der deutschen Einheit“. Bis 1990 war dies der Sitzungssaal des SED-Politbüros! Welch Ironie, die man aber nur erkennt, wenn man historisch kein totaler Analphabet ist.
Vierte Gewalt: Das ist die Monokultur von neun ARD-Anstalten plus ZDF plus DLF mit ihren insgesamt 21 Fernseh- und 74 Hörfunk-Programmen. Es sind dies zugleich die kostspieligsten öffentlich-rechtlichen Häuser der Welt: Diese Anstalten brauchen „Reptilien“-Gelder ohnehin nicht, denn Politik und Bundesverfassungsgericht (Urteil vom 20. Juli 2021) garantieren mit 8,4 Milliarden pro Jahr (= 22 Millionen täglich) üppige Zwangsgebühren. Demokratieabgabe nennen das manche Schlaumeier. Demagogie-Abgabe könnte man sie auch nennen. Oder als Stoßgebet: „Unsere tägliche Gehirnwäsche gebt uns heute … Unser tägliches Greenwashing gebt uns heute.“ Bis hinein in die „Tatorte“, bis hin zur Politisierung der Unterhaltungsgenres.
Übrigens: Die 8,4 Mrd. samt Vetternwirtschaft und Luxusverschwendung (siehe RBB) sind den ÖRR nicht genug. Man will statt 18 Euro demnächst 25 Euro pro Monat. Angeblich, um Streaming-Portale zu errichten – als Konkurrenz zu Netflix, Amazon Prime. Noch mehr Propaganda? Oder noch üppigere Gehälter und Renten? Dabei haben die Gehälter der Intendanten Größenordnungen erreicht, die die Gehälter von Bundespräsident und Bundeskanzler deutlich übersteigen: Der WDR zahlt seinem Intendanten 395 000 Euro p.a. Die Spitzen können aufgrund der gebildeten Rücklagen der Sender mit üppigsten Pensionen rechnen. Schlesinger (RBB) / Wille (MDR): 18.000 Euro monatliche Altersrente.
Zugleich hängen auch andere Medien zum Teil am Tropf des Steuer- und Gebührenzahlers. So entstand 2020 ein mit 220 Millionen Euro ausgestatteter Hilfsfonds für Zeitungsverleger. Die Bundesregierung wie auch die Landesregierungen schalten regierungsamtliche Werbung, sie unterstützen die Zeitungsverlage mit Zuschüssen „für die digitale Transformation, zur Forderung des Absatzes und der Verbreitung von Abos.“
These 3
Der Journalistenstand ist zunehmend „woke“-grün-links-schief. Die 68er Enkel beherrschen die Meinungsindustrie. Die Bürgerlich-Liberal-Konservativen haben nichts dagegengesetzt.
Folge: Eine nicht-linke Politik kann sich kaum noch artikulieren: Hans Mathias Kepplinger (Mainz) stellt 2017 fest, daß 65 Prozent der Journalisten „Grüne“ oder SPD wählen. Die Verbandszeitschrift „Der Journalist“ hat 2020 herausgefunden, wohin ARD-Volontäre tendieren. Ergebnis: 57,1 Prozent zu den Grünen, 23,4 zur „Die Linke“, 11,7 zur SPD. Die Union hat 3 Prozent und die FDP 1,3 Prozent Anhänger. Das sind 92 Prozent für Grün-Rot-Rot. Das ist der Nachwuchs. Im Februar 2021 bestätigte der Kommunikationswissenschaftler Christian Hoffmann von der Universität Leipzig den „Linksbias“ (die Linksneigung) der deutschen Journalisten. Als Gründe dafür sieht Hoffmann die Akademisierung des Journalistenberufes vor allem über die Geistes- und Sozialwissenschaften. Auf diese Weise haben die 68er bzw. ihre Enkel den Marsch durch die Institutionen und durch die Definitionen erfolgreich erledigt.
Daß wir nicht zu Unrecht von einem polit-medialen Komplex (Kartell?) sprechen dürfen, beweist zudem die Tatsache, daß sich die Drehtüren zwischen Presse und Politik gut geölt drehen: Ulrich Wilhelm war Merkels Regierungssprecher von 2005 bis 2010, dann bis 2021 Intendant des Bayerischen Rundfunks. Steffen Seibert vom ZDF war ab 2010 Regierungssprecher. Ulrike Demmer, früher bei ZDF, Spiegel, Focus, RND, RBB, war ab Juni 2016 stellvertretende Regierungssprecherin. Martina Fietz, vorher bei Welt, Burda, Focus, Cicero, war ab April 2018 ebenfalls stellvertretende Regierungssprecherin. Die „Ampel“ hat ihre drei Sprecher aus der Presse rekrutiert. Steffen Hebestreit war bei der Frankfurter Rundschau und bei Dumont, Wolfgang Büchner bei dpa bzw. Spiegel und Christine Hoffmann beim Spiegel. Steinmeier hat als neue Sprecherin Cerstin Gammelin von der Süddeutschen Zeitung und die bisherige Anna Engelke zum NDR zurückgeschickt. Sein Redenschreiber Marc Brost war Ressortchef bei der ZEIT.
Das Berufsethos scheint gerade bei manch journalistischen Spitzen hops gegangen. „Rent an Journalist“ ist angesagt. So hat die Bundesregierung seit 2017 2,3 Millionen ausgegeben, um 200 Journalisten, mehrheitlich aus dem ÖRR, für „Moderations“-Aufgaben anzuheuern. In einem für Hofschreiber typischen Opportunismus ist man ständig bemüht, Beweise der Loyalität gegenüber den Regierenden zu liefern. „Wes‘ Brot ich eß‘, des‘ Lied ich sing‘.“ Den zumeist ziemlich mittellosen Minnesängern blieb nichts anderes übrigen. Heute ist das nicht notwendig, vor allem nicht bei den üppig besoldeten „Öffentlich-Rechtlichen“. Am Ende gewährt eine Kanzlerin oder ein Kanzler dann ausgewählten Journalisten ein Interview, das dann zur monologisierenden Audienz verkommt. Oder man nehme die Besetzung von Talkshows, die hinsichtlich parteipolitischer Provenienz kein Abbild des Bundestages und damit kein Abbild des Wahlvolkes sind. Siehe etwa den Talkshow-„Wanderpokal“ Karl Lauterbach (40mal war er 2021 in einer ÖRR-Talkshow).
Ausgewogenheit, Neutralität und Objektivität sind „out“. Ein Georg Restle, Chefredakteur des ARD-Politikmagazins „Monitor“, schrieb 2018: „Journalismus im Neutralitätswahn – Warum wir endlich damit aufhören sollten, nur abbilden zu wollen, ‚was ist‘“. Wie der „Spiegel“-Relotius: Abbilden, was gefragt ist, was politisch (regierungsamtlich) ankommt. „Privat“ gibt Restle gänzlich unverstellt den Aktivisten. Er nennt sich „Journalist über den Tag hinaus“, und er postet schon auch mal seine Verachtung über die Berliner Wähler, die den „Klimavolksentscheid“ am 26. März 2023 haben durchfallen lassen. Dazu schrieb er noch am Abend dieses Tages: „Wenn irgendwer in ein paar Jahrzehnten fragt, warum das Thema Klimawandel in Deutschland nicht genug ernstgenommen wurde, sollte man auf das johlende Gefeixe derer verwiesen, die heute das Scheitern des Klimavolksentscheides in Berlin feiern.“ Der tagtäglich klimabewegte ZDF-„Wetterfrosch“ Özdem Terli wollte da nicht nachstehen. Auf seinem „privaten“ Account, auf dem er als „Diplom-Meteorologe. Weather & Climate Presenter. Journalist. Moderator“ firmiert, schrieb er zum gescheiterten Volksentscheid: „Wer mit ‚nein‘ gestimmt hat, hat mit ‚ja‘ zu Extremwettern jeglicher Art zugestimmt. Bitte, dann nicht beschweren (hier fehlt das Komma) wenn es übel wird. Glückwunsch ganz toll … gaaaaanz toll gemacht!“
So läuft nur wenig verstellt in den Sendungen, völlig unverstellt in „privaten“ Accounts, Indoktrination ständig präsenter Medienleute. Das heißt: Die Regierenden werfen ein Stöckchen; brave Medien und deren Aktivisten hecheln hinterher und bringen es apportierend zurück, um dafür belobigt zu werden. Man kann so etwas „Apportiermedien“ nennen. Am Ende drehen sich Presse und Politik selbstreferentiell im Kreis. Manche „Medienschaffende“ halten das auch noch für mutig. Das grenzt schier an Filz, an Nepotismus. Man (be)fördert, protegiert, zitiert sich. Politik, Medien und NGOs spielen über Bande – verschiedentlich sogar über Familienbande (siehe das Vettern-/Wirtschaftsministerium des „Grünen“ Robert Habeck!)
These 4
Ziel des politisch-medialen Zusammenspiels ist eine politisch-mediale Einhegung der Diskurse. Dann regiert es sich leichter. Einhegung – das ist Ziel des Poststrukturalisten Michel Foucault: qua „Verknappung der sprechenden Subjekte“.
Man will alles unter Kontrolle haben. Es muß nur nach Demokratie aussehen. Dazu ist man bestens vernetzt. Siehe das Recherche-Netzwerk aus NDR/WDR/SZ. Oder siehe das Redaktionsnetzwerk RND, von dem Zeitungen mit etwa 6,8 Millionen Lesern Inhalte übernehmen. RND ist übrigens Teil des „roten Imperiums“, wie die Neue Zürcher Zeitung NZZ das Medienvermögen der SPD nannte. Denn es ist in der Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) gebündelt, einem der SPD zu 100 Prozent eigenen Konzern. Übrigens: Auch die mediale/politische Wirkung von Bertelsmann kann man gar nicht überschätzen: Fernsehkanäle, via Gruner + Jahr ein Imperium an fast 300 Zeitschriften … Die Finger im Spiel hat Bertelsmann mit rund 1 000 Mitarbeitern beim Facebook-Löschzentrum Majorel (ehem. Bertelsmann-Tochter Arvato).
Und was haben die Propaganda-Herolde im Arsenal?
a) Moralisierende Einbettung ist angesagt. Die ARD ließ sich dies 2017 von der „Kommunikationswissenschaftlerin“ Elisabeth Wehling für 120.000 Euro bestätigen. Titel: „Framing Manual – Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD.“ Dieses Papier strotzt vor martialischen Peinlichkeiten. Etwa mit dem Satz: „Fakten sind zentral. Aber sie werden in einer öffentlichen Auseinandersetzung erst zu guter (sic!) Munition, wo ihre moralische Dringlichkeit kommuniziert wird.“ Mit anderen Worten: Framing – das sind die Sehschlitze, durch die man etwas rezipieren soll. Nehmen wir allein die Bilder von Flüchtlingsbooten: fokussiert auf die einzige Frau mit Kind unter 100 jungen Männern. Framing – damit arbeitet auch die Werbe- und Reklameindustrie. Immer mehr Produkte bis hin zu teuersten Limousinen werden von nicht-weißen „models“ beworben.
b) Semantische Machtergreifung ist angesagt. Es geht um das „richtige“ Denken, Fühlen, Erinnern. Siehe Sylvester 2015 in Köln und 2022 in Berlin, im Sommer 2022 in Stuttgart: Das war „Partyszene“. Migrantische Schwimmbadrandale wird mit Klimawandel erklärt. Oder siehe die Gender-Sprache! Methode: „Frau sichtbar machen“ und Mutter als „entbindende Person“ (ARD) verschwinden lassen. Leider wurden die beiden verantwortlichen ARD-Damen nicht von ihrer Propaganda-Aufgabe „entbunden“. Und es geht um die Eliminierung von Begriffen wie Volk, Vaterland, deutsch. Man kennt die Verrenkungen: „die schon länger hier leben und die neu hinzugekommen sind …“ Die Grenzen des Sagbaren werden enger. Und bloß kein falsches Wort! Spießige Verrenkungen sind das.
Immer schon haben Ideologen versucht, durch „nudging“ (Anstupsen), durch NLP (Neurolinguistische Programmierung“) , „wording“ die Gehirne zu besetzen. „Gelenkte Demokratie“ nannte das ein russischer Autokrat. Vor allem die Verschönerung der Welt durch Sprache, durch Euphemismen, ist ein beliebtes Instrument. Siehe DDR: Beschlagnahmtes Vermögen wurde zum Volkseigentum, die Mauer zum Antifaschistischen Schutzwall. Wittgenstein fällt einem dazu ein: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ „Wahrheit“ wird qua Sprachregime zum Konstrukt, das je nach politisch-medialer Laune dekonstruiert und dann neu konstruiert wird. Es soll gelten: Wenn sich die Tatsachen weigern, der Propaganda zu entsprechen, so ist es umso schlimmer für die Tatsachen.
c) Ein Herrschen mit Angst ist angesagt – ins Unbewußte zielend: Angst vor Klimawandel, Pandemien, Nationalismen. Phobokratie kann man ess nennen: Herrschen auch mit der Angst, „gecancelt“ zu werden, den „sozialen“ Tod (wörtlich die „Exkommunikation, das Ausschließen aus der Communitas) zu erleiden. Warum dieses Angstmachen? Weil die Herrschenden eigentlich Angst vor dem Volk haben (Demophobie) und meinen, das Volk eben mit Ängsten in Schach halten können. Da versteht man keinen Spaß. Wenn es um Klima, Corona oder Zuwanderung geht, wird Presse in Teilen zur Wutpresse gegen vermeintliche Ketzer und Sünder. Denn: Wenn du deinen Müll nicht trennst, stirbt ein Eisbär. Oma wird öffentlich-rechtlich zur „Umwelt-Sau“ (WDR). Wenn sie nicht vorher gestorben ist, weil die Enkel nicht geimpft wurden.
d) Der Mißbrauch von „Wissenschaft“ ist angesagt. Die Forderung lautet: Follow The Science! Beachte: Wissenschaft im Singular! Das ist blinder Szientismus und mutet an wie Leninismus: Propaganda als wissenschaftliche (!) Unterweisung in revolutionärer Theorie. Dazu dann die „woken“ öffentlich-rechtlichen Wissenschaftserklärer: Arzt-Comedian von Hirschhausen, Alleserklärer Harald Lesch, NDR-Panoramistin Anja Reschke …
e) Beschweigen íst angesagt. Auf dem linken und migrantischen Auge ist man blind. Zwei Schweigespiralen werden hier wirksam: Der Mensch macht auf innere Zensur, auf soziales Mimikry, trägt keinen Sombrero, läßt seine Kinder nicht Indianer spielen, weil er sich nicht den Vorwurf der „kulturellen Aneignung“ zuziehen will und nicht außerhalb des „Mainstreams“ stehen möchte. Folge: Die „veröffentlichte“ Meinung samt „Cancel Culture“ setzen sich durch. Die Medien sind ebenfalls Verschweiger: „Mann mit Messer“, heißt es dann.
Und die Folgen?
Die Gewaltenteilung, Urprinzip eines freiheitlichen Rechtsstaates, funktioniert nicht mehr, weil sich alle fünf „Gewalten“ weitgehend einig sind: Legislative, Exekutive, Judikative, Presse, NGOs. Ein Fall von „Gleichschaltung“? Manche sagen „Homogenisierung“ der Gewalten. Man könnte es auch Totalitarismus nennen.
Die Bürger indes spüren, daß das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung (GG-Artikel 5) mehr und mehr eingeschränkt ist. Das Meinungsforschungsinstitut INSA hat im April 2023 eruiert: Eine überwältigende Mehrheit von 81 Prozent sagt, daß manche ihre Meinung nicht frei äußern, weil sie Angst vor negativen Konsequenzen haben. Darunter leidet die Demokratie.
Das noch Schlimmere aber ist, daß sich immer weniger Menschen der Dekonstruktionen und der Indoktrination bewußt sind und es nicht mehr merken: Wie der poikilotherme (Wechselblüter-)Frosch, den man in einem – vermutlich nur erfundenen – Experiment langsam und beharrlich im Wasser erwärmt, der dies aber nicht merkt und am Ende gegart ist. „boiled frog“-Phänomen nennt man das.
Was tun?
Es geht um Wahrheit. Staat und Medien freilich dürfen nicht zu einer Art Kirchen mit Offenbarungsanspruch werden. Hier sei an Benedikts große Rede vom 22. September 2011 im Bundestag über die „Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates“ erinnert. Er sagte: „Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie … eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt.“ Der Papst fragte sodann: „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande? Und: “Wie erkennt man, was recht ist?” Als wichtigste Voraussetzung nannte Benedikt ein “hörendes Herz” (Salomons Bitte an Gott). Also das Gewissen. Wer darauf verzichtet, befördert das, was Ernst Jünger wie folgt benannt hat: „Verwaiste Altäre werden von Dämonen bewohnt.“
Was tun? Bitte keine innere Immigration! Nein, es ist nicht nur Bürgerpflicht, sondern Christenpflicht, die Dämonen zu verjagen; die neuen „Gender“-Schöpfergötter; gegen die Amalgamierung von Bibel und zivilreligiösen Versatzstücken anzugehen, das Naturrecht in Erinnerung zu bringen (siehe Benedikt).
Machen wir uns den „Verlust des Verlustes“ (Roger Scruton) bewußt! Nämlich daß wir oft nicht mehr merken, was wir verlieren. Denken wir an Josef Pieper und seinen eindrucksvollen Satz: „Dem Menschen ist mehr vonnöten, erinnert als belehrt zu werden. Formen wir Ohnmacht in Widerstand um. Kultivieren wir eine Gegensprache durch Affirmation von Ehe, Familie, Nation. Wir sind die Mehrheit. Warum nicht ein wenig Guerilla-/Partisanentaktik? Indem man zum Beispiel die allzu „woken“ aufdringliche Einrichtungen nervt: Mitgliedschaften und Abos kündigen, Spenden aussetzen, Einladungen zurückschicken, die ÖRR-Gebühreneintreiber triezen, Intendanten, Rundfunkräte, Abgeordnete angehen.
Streiten wir für ein anspruchsvolles Bildungswesen! In dem unser Nachwuchs mit solidem Vorratswissen, nicht mit dürftigem Download-Instant-Justintime-Wissen, mündig wird. Denn es gilt: „Wer nichts weiß, muß alles glauben“ (Marie von Ebner-Eschenbach). Es darf nicht Big Brothers Leitspruch gelten: „Unwissenheit ist Stärke“.
Heinrich Heine soll nicht Recht bekommen mit dem, was er vor 199 Jahren in der „Harzreise“ niederschrieb: „Untertanentreue ist ein so schönes Gefühl! Und es ist ein so wahrhaft deutsches Gefühl!“ Wir sollten uns Mut machen mit Perikles: „Zum Glück brauchst du Freiheit, und zur Freiheit brauchst du Mut.“ Stecken wir uns gegenseitig mit diesem Mut an!
Josef Kraus

