BfR-Modell berechnet erstmals präzise: Wie viel Schimmelpilzgift aus dem Futter in die Milch gelangt
Neue Berechnungsmethode macht Risiko von Aflatoxinen in der Milch präzise vorhersagbar
Milchkühe mit hoher Milchleistung geben deutlich mehr des Schimmelpilzgifts Aflatoxin M1 (AFM1) in ihre Milch ab als Kühe mit geringerer Leistung. Dieser Zusammenhang ist seit längerem bekannt – nun lässt er sich erstmals verlässlich berechnen und vorhersagen. Forschende am Futtermittelzentrum des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) haben dazu ein mathematisches Modell entwickelt.
Das Modell beschreibt die Beziehung zwischen der täglichen Milchleistung einer Kuh und der sogenannten Transfer-Rate – also dem Anteil des aufgenommenen Aflatoxins B1 (AFB1) aus dem Futter, der als AFM1 in die Milch übergeht. Damit steht Risikomanagement und Branche ein neues Instrument zur Verfügung, um zu prüfen, ob der geltende EU-Höchstgehalt für AFM1 in Milch eingehalten werden kann.
Für AFM1 gilt in Rohmilch, wärmebehandelter Milch und Werkmilch ein Grenzwert von 0,05 Mikrogramm pro Kilogramm. Im Mischfutter für Milchvieh dürfen maximal 5 Mikrogramm AFB1 pro Kilogramm enthalten sein. Die amtliche Lebensmittelüberwachung zeigt, dass die große Mehrheit der Milchproben diese Grenzwerte einhält.
Aflatoxine entstehen durch bestimmte Schimmelpilze, insbesondere wenn auf heiße und trockene Wachstumsbedingungen eine feuchte Lagerung folgt. Mit dem Klimawandel könnten entsprechende Kontaminationen künftig auch in Regionen auftreten, in denen sie bislang seltener waren.
Für die Modellierung wertete das BfR Daten aus 19 kontrollierten Fütterungsversuchen mit unterschiedlichen Milchleistungen und AFB1-Konzentrationen im Futter aus. Mithilfe einer hierarchischen Bayes’schen Inferenz wurde ein toxikokinetisches Zwei-Kompartiment-Modell entwickelt, das Aufnahme, Umwandlung und Ausscheidung des Toxins beschreibt.
Die Berechnungen zeigen: Bei einer Milchleistung von fünf Litern pro Tag liegt die mittlere Transfer-Rate bei 0,41 Prozent. Produziert eine Kuh 50 Liter pro Tag, steigt sie auf durchschnittlich 3,05 Prozent. Eine Hochleistungskuh kann somit etwa siebenmal mehr AFM1 in die Milch abgeben als eine Kuh mit niedriger Milchleistung.
Das Modell liefert zudem 95-Prozent-Glaubwürdigkeitsintervalle, die die biologische Variabilität und statistische Unsicherheit berücksichtigen. Es ist als offener Computercode sowie als interaktiver Online-Rechner im BfR-Tool „ConTrans“ verfügbar. Anwender können damit berechnen, wie hoch die AFB1-Belastung im Futter maximal sein darf, um die EU-Grenzwerte für Milch sicher einzuhalten.
Die zugrunde liegende Studie wurde als Fast-Track-Artikel in der Fachzeitschrift „Archives of Toxicology“ veröffentlicht.
Quelle: Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2026, https://www.bfr.bund.de

