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Atomunfall in russischer Uranfabrik: ein Toter – stammte defektes Uranfass aus Gronau oder Almelo?

Atomunfall in russischer Uranfabrik: ein Toter
– stammte defektes Uranfass aus Gronau oder Almelo?

Anti-Atomkraft-Initiativen fordern Aufklärung
– 6. August Mahnwache vor Urananreicherungsanlage Gronau

 

Anti-Atomkraft-Initiativen aus NRW und Niedersachsen sowie der
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), die
Ärzteorganisation IPPNW und die unabhängige russische Umweltorganisation
Ecodefense befürchten, dass womöglich ein defektes Uranfass aus der
westfälischen Urananreicherungsanlage Gronau oder der niederländischen
Urananreicherungsanlage Almelo die Ursache für den tödlichen Unfall in
der russischen Atomfabrik Novouralsk war. Dort starb in der letzten
Woche nach russischen Angaben mindestens ein Arbeiter, weil ein Fass mit
Uranhexafluorid undicht geworden war. Über 100 Personen wurden nach der
„Explosion“ ins Krankenhaus eingeliefert. Betreiber der Atomanlage in
der „geschlossenen Stadt“ in der Nähe von Ekaterinburg am Ural ist der
Staatskonzern Rosatom.

Seit Mitte der 1990er-Jahre hat der deutsch-niederländisch-britische
Atomkonzern Urenco aus den Uranfabriken in Gronau/Westfalen bzw.
Almelo/Niederlande mehrere Zehntausend Tonnen abgereichertes
Uranhexafluorid als Abfallstoff nach Russland geschickt, um die
wesentlich teurere Entsorgung in Deutschland und den Niederlanden zu
umgehen. Ein Hauptziel war dabei der Atomkomplex von Novouralsk. Zuletzt
waren 2019/20 nochmal 18 000 Tonnen Uranhexafluorid als Uranmüll von
Gronau nach Novouralsk gegangen.

„Es ist sehr traurig, dass ein undicht gewordenes Uranfass aus Gronau
oder Almelo die Ursache für den tödlichen Unfall in Novouralsk gewesen
sein kann. Die russische Umweltorganisation Ecodefense hat schon
mehrfach berichtet, dass der Zustand der Uranfässer in Novouralsk und in
den anderen Lagerstätten in Sibirien oftmals sehr schlecht ist. Die
ersten Uranfässer aus Gronau lagern ja schon fast 30 Jahre vor Ort unter
freiem Himmel. Wir fordern deshalb von Urenco, aber auch von der
Atomaufsicht in Düsseldorf und Berlin, eine klare Auskunft darüber, ob
eines der Gronauer oder Almeloer Uranfässer hier beteiligt ist. Und
welche Lehren sind aus dem Unfall für die Uranfabrik Gronau zu ziehen?
Den Betroffenen und den Angehörigen des Verstorbenen sprechen wir unser
tiefes Mitgefühl aus,“ erklärte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis
Münsterland gegen Atomanlagen.

“Die Explosion mit tödlichem Ausgang sowie die Freisetzung von
hochtoxischem und radioaktivem Material in Novouralsk sind die
Konsequenzen einer extrem niedrigen Sicherheitskultur in der russischen
Atomindustrie. Russische Umweltschützer haben viele Male vor Unfällen in
den russischen Urananreicherungsanlagen gewarnt sowie vor der Einfuhr
von Uranmüll aus Gronau und Almelo. Aber die russische Regierung hat
nicht zugehört. Deshalb sind weitere derartige Unfälle zu befürchten,
weil die russische und die europäische Atomindustrie primär an ihren
Profit und ihre geostrategischen Interessen denken,“ ergänzte Vladimir
Slivyak, Ko-Vorsitzender der russischen Umweltorganisation Ecodefense
und Träger des Alternativen Nobelpreises.

Der tragische Unfall bestätigt zugleich die Gefährlichkeit der
Urananreicherung und der damit verbundenen Urantransporte.
Uranhexafluorid (UF6) ist der Grundstoff für die Urananreicherung. Er
bildet schon bei Berührung mit Luftfeuchtigkeit die äußerst toxische
Flusssäure. Ein Unfall mit UF6 hat in Gronau 2010 zur Verstrahlung eines
Arbeiters geführt. Die Initiativen und Verbände fordern deshalb schon
lange einen Transportstopp für UF6. Auch gegen den unverantwortlichen
Export nach Russland gab es im Münsterland, in den Niederlanden und auch
in Russland immer wieder Proteste. Die letzten Transporte 2019/20
verstießen sogar gegen die damals schon geltenden EU-Sanktionen gegen
Russland, da abgereichertes UF6 von Rosatom unter anderem zur
Herstellung von panzerbrechender Uranmunition verwendet werden kann.

6. August: Mahnwache Urananreicherungsanlage Gronau

Am Sonntag, 6. August, findet um 13.30 Uhr vor der
Urananreicherungsanlage Gronau zum 78. Jahrestag der Atombombenabwürfe
über Hiroshima und Nagasaki eine Mahnwache statt. Zugleich soll daran
erinnert werden, dass Urenco die Verantwortung für den eigenen Atommüll
in Russland nicht einfach wegdelegieren kann. Diese Exporte nach
Russland waren ein klares Zeichen der Verantwortungslosigkeit. Zugleich
fordern die Initiativen und Verbände von der Atomaufsicht in Düsseldorf
und Berlin endlich klare Schritte zur Stilllegung der
Urananreicherungsanlage in Gronau im Rahmen des deutschen Atomausstiegs.

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