Identitätsmissbrauch bei Bußgeldern – Behörden übersehen gefährliche Lücke im System
Juli 2025 – Wer bei einem Verkehrsverstoß nicht selbst am Steuer saß, kann im Anhörungsbogen eine andere Person als Fahrer angeben – doch diese Angabe wird von vielen Bußgeldstellen nicht überprüft. Genau diese Verwaltungslücke nutzen Betrüger offenbar gezielt aus, wie die Zeitschrift auto motor und sport in ihrer aktuellen Ausgabe (16/2025) berichtet.
Falschangabe führt zu echten Konsequenzen
Im Fokus steht der Fall von Dustin Senebald, einem Unternehmer aus Düsseldorf, der von Unbekannten in insgesamt acht Bußgeldverfahren als Fahrer angegeben wurde – jeweils mit falschen Adressen in Düsseldorf und Gevelsberg. Die Betrüger konnten offenbar auf Briefkästen an den angegebenen Anschriften zugreifen. Senebald selbst erfuhr nichts von den Verfahren – bis sich auf seinem Punktekonto in Flensburg acht Einträge angesammelt hatten.
📬 Erst beim drohenden Führerscheinentzug wurde es ernst
Die zuständige Führerscheinstelle wandte sich schließlich an Senebalds korrekte Meldeadresse – denn anders als die Bußgeldstellen greifen diese auf das Melderegister zu. Erst mit anwaltlicher Hilfe konnte der Unternehmer anhand von Blitzerfotos belegen, dass er nie selbst am Steuer der Fahrzeuge saß.
⚠️ Keine systematische Adressprüfung – Behörden sehen sich überfordert
Mehrere befragte Ordnungsbehörden bestätigten gegenüber der Redaktion, dass Adressen in Anhörungsbögen nicht systematisch überprüft werden. Die Stadt Dortmund teilte mit, ein solcher Abgleich sei „in der Breite nicht umsetzbar“.
⚖️ Juristische Warnung vor wachsendem Missbrauchspotenzial
Verkehrsanwalt Uwe Lenhart aus Frankfurt spricht von einer gefährlichen Entwicklung: „Damit kann man jemanden gehörig in Schwierigkeiten bringen.“ Solche Methoden seien bisher vor allem bei Online-Bestellungen bekannt. Auch Rechtsanwalt Marco van Donzel-Giesen, der Senebald vertritt, warnt: „Wenn das Schule macht, wird das System anfällig für gezielten Missbrauch.“
📢 Forderung nach Reformen
Ein einfaches Mittel wie der Passbildabgleich mit Blitzerfotos könne laut Senebald bereits helfen, Missbrauch zu verhindern. Die aktuelle Praxis offenbart laut Finanzen- und Rechtsexperten gravierende Schwachstellen im behördlichen Verfahren, die das Vertrauen in das System gefährden könnten.
Quelle: auto motor und sport,Heft 16/2025

