Nepalhilfe Aham berichtet über Flutkatastrophe und Solidarität
Congregatio Jesu spendet 1 Million NPR und organisiert Hilfsgüter
Als die Katastrophe Nepal traf
Vom Schock zur Solidarität
Überschwemmungen und Erdrutsche sind leider ständige Begleiter während der Monsunzeit in Nepal. Wir haben gelernt, mit ihnen zu leben, sie zu fürchten und zu hoffen, dass sie nicht zu viel von uns nehmen.
Der 26. August 2026 begann wie jeder andere Morgen. Der Himmel war klar, der Tag angenehm und das Leben in Kathmandu folgte seinem gewohnten Rhythmus. Nichts deutete darauf hin, dass Nepal innerhalb weniger Stunden mit einer der verheerendsten Naturkatastrophen der jüngeren Vergangenheit konfrontiert werden würde.
Fernsehbildschirme und soziale Medien füllten sich mit schrecklichen Bildern. Eine Wand aus Wasser, Schlamm und Trümmern fegte durch Dörfer entlang des Bhote Koshi und der darunterliegenden Gebiete. Häuser, Brücken, Fahrzeuge, Straßen und andere Infrastruktur verschwanden unter der Kraft der Flut. Ganze Landstriche schienen ausgelöscht.
Was als entfernte Nachricht begann, fühlte sich plötzlich schmerzhaft nah an. Am Abend saßen wir schweigend vor unseren Bildschirmen – schockiert, hilflos und bemüht, das Ausmaß der Tragödie zu begreifen. Die Katastrophe traf besonders hart in Rasuwa, Nuwakot, Dhading und Gorkha, viele Gemeinden entlang der Flussufer waren betroffen. Die Regierung Nepals begann sofort mit Such-, Rettungs- und Hilfsmaßnahmen und bat um Unterstützung für diejenigen, deren Häuser, Lebensgrundlagen und Familien zerstört wurden.
Doch hinter jeder Zahl stand ein menschliches Schicksal. Eine Mutter, die auf Nachricht von ihrem Kind wartete. Ein Vater, der im Schlamm nach Überlebenden suchte. Eine Familie, die sich fragte, ob derjenige, der am Morgen das Haus verlassen hatte, jemals zurückkehren würde. Ein Dorf plötzlich ohne Brücke, Straße, Zuhause oder manchmal ohne die Menschen, die ihm Leben gaben.
Die offiziellen Zahlen ändern sich weiterhin, während die Such- und Rettungsaktionen fortschreiten. Tausende Menschen werden noch vermisst, und das volle Ausmaß des Verlustes wird noch ermittelt. In einigen betroffenen Gemeinden sprechen die Menschen von Verlusten, die weit über die offiziell bestätigten Zahlen hinausgehen. Ob sich diese Befürchtungen letztlich bestätigen, bleibt abzuwarten, doch sie zeigen, wie tief der Schmerz der Betroffenen ist.
Von Hilflosigkeit zur Tatkraft
Die ersten Tage waren geprägt von Verwirrung und Unsicherheit. Wie viele andere fragten wir uns: Was können wir tun? Wie erreichen wir die Leidenden? Wie kann unser kleiner Beitrag angesichts des riesigen Bedarfs einen Unterschied machen?
Es gab Vorschläge, Hilfsangebote und Solidaritätsbekundungen. Doch die Lage vor Ort änderte sich schnell, und es war nicht sofort klar, wie wir am besten helfen konnten.
Für uns war das Gebet die erste Reaktion. Die gesamte St. Mary’s Familie versammelte sich zu einem bewegenden Gedenkgottesdienst, brachte ihre Trauer, Hoffnung und Sehnsucht vor Gott. Es war ein zutiefst berührender Moment der Solidarität, als wir der Verstorbenen gedachten und für die Familien beteten, die weiterhin unter den Folgen der Tragödie leiden.
Doch das Gebet führte zur Besinnung, und die Besinnung zur Tat.
Am fünften Tag fand die Congregatio Jesu ( vormals Mary Ward ) einen konkreten Weg: Wir kauften Lebensmittel und andere wichtige Güter für betroffene Familien und nahmen Kontakt mit dem Büro des Chief District Officer in Lalitpur auf. Wir wurden angewiesen, die Hilfsgüter an das Katastrophenschutz-Zentrum in Samakhusi, Kathmandu, zu übergeben, damit sie über die entsprechenden Kanäle verteilt werden konnten.
Ein Kleinlaster voller Hilfsgüter wurde übergeben. Hinter diesem Laster standen viele Herzen, die dasselbe sagten: „Ihr seid nicht allein.“
Am selben Tag beschloss die Congregatio Jesu nach Gesprächen und gemeinsamer Besinnung, 1 Million NPR ( ca 6.500 EUR ) an den Katastrophenhilfefonds des Premierministers zu spenden. Die Übergabe wurde besonders bedeutsam, als wir vom Finanzminister Dr. Swarnim Wagle empfangen wurden. Er zeigte seine Wertschätzung und erkundigte sich nach unserer Gemeinschaft und unserer Arbeit in Nepal.
Für uns war es ein ermutigender Moment: Ein kleiner Beitrag einer Ordensgemeinschaft wurde Teil einer viel größeren nationalen Anstrengung, den Menschen beizustehen, die so viel verloren haben. Wir unterstützten auch über die Nepal Jesuit Society (NJS), um auf anderem Wege auf die dringendsten Bedürfnisse zu reagieren.
Eine der bewegendsten Reaktionen kam von den Eltern und Schülern der St. Mary’s Schule in Jawalakhel. Die Kinder sammelten Dinge, die im Alltag gewöhnlich erscheinen, aber nach einer Katastrophe kostbar werden: warme Kleidung, T-Shirts, Teller, Kochutensilien, Hygieneartikel, Lebensmittel, Eimer, Tassen, Löffel, Zahnbürsten und Zahnpasta sowie andere Alltagsgegenstände.
Besonders berührend war die großzügige Spende eines Wohltäters, der eine große Menge Kleidung für die Opfer bereitstellte. Diese Geste wurde zu einem schönen Ausdruck von Mitgefühl, Solidarität und Fürsorge für die Betroffenen.
Jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte des Mitgefühls: Ein Kind gibt ein Kleidungsstück, eine Familie spendet Lebensmittel, jemand bringt einen Eimer oder Hygieneartikel. Nichts davon kann ein Zuhause ersetzen oder einen geliebten Menschen zurückbringen. Aber gemeinsam sagen sie: „Wir sehen euer Leid. Wir denken an euch. Wir wollen an eurer Seite stehen.“
Die Schulgemeinschaft hält die Hilfsgüter bereit, um sie zu transportieren, sobald die Straßen wieder sicher sind. Die Hoffnung ist, dass sie Familien erreichen, wenn selbst die einfachsten Dinge dringend gebraucht werden.
Die Katastrophe hat uns daran erinnert, dass Solidarität mehr ist als Mitleid. Wahre Solidarität fordert etwas von uns: Zuhören, Nachdenken, Handeln.
Wir können vielleicht kein Dorf wieder aufbauen, nicht jeden Vermissten finden, nicht den Schmerz einer Mutter heilen, die ihr Kind verloren hat. Aber wir können etwas tun: beten, geben, teilen, begleiten, an der Seite der Leidenden stehen. Viele kleine Taten der Freundlichkeit werden zusammen zu etwas Größerem.
Die Zerstörung ist immens. Häuser und Lebensgrundlagen wurden weggespült, Straßen und Brücken zerstört, Familien getrennt. Tausende warten auf Nachrichten von Angehörigen, Überlebende stehen vor dem schmerzhaften Neuanfang. Die Rettungsarbeiten gehen weiter, der Weg zur Erholung wird lang sein.
Berichten zufolge sind mehr als 1.200 Menschen gestorben, über 4.000 werden vermisst, Tausende Häuser wurden zerstört oder sind unbewohnbar.
Lange nachdem die Kameras verschwunden sind und die Schlagzeilen verblassen, werden diese Familien ihr Leben wieder aufbauen. Wir wollen ihnen nahe bleiben – nicht nur in den ersten Tagen der Krise, sondern auch auf dem langen Weg der Erholung.
Wir begannen mit Schock, durchlebten Unsicherheit, beteten, besannen uns und wollen nun gemeinsam handeln. Vielleicht ist das Solidarität in Zeiten der Katastrophe: nicht alle Antworten zu haben, aber sich nicht abwenden.
Inmitten der Zerstörung haben wir auch etwas Schönes erlebt – die menschliche Fähigkeit zu helfen, zu teilen und zusammenzustehen.
Wir bitten Sie, Nepal, besonders die Betroffenen und die Familien der Verstorbenen, in Ihre Gebete einzuschließen. Mögen die kleinen Gaben unserer Schwestern, Schüler, Familien und Freunde Zeichen der Hoffnung für diejenigen sein, die fast alles verloren haben.
Mögen die Vermissten gefunden werden. Mögen die Trauernden Trost finden. Mögen die Überlebenden die Kraft finden, neu zu beginnen. Und möge Nepal, verwundet aber nicht besiegt, mit Mut, Mitgefühl und der Kraft, die aus gemeinsamer Solidarität erwächst, wieder aufstehen.
Diesen Bericht, verfasst von der Provinzoberin Nepals Sr. Vinita, erreichte die Nepalhilfe Aham, die mit den Verantwortlichen vor Ort in regem Kontakt stehen. Seit über 35 Jahren unterstützt der Verein den Aufbau und den Unterhalt von Schulen in ganz Nepal. Weitere Infos: www.nepalhilfe-aham.de
Spendenkonto:
VR-Bank Landshut-Isar-Vils eG „ Nepalhilfe Aham „ IBAN: DE10 7439 2300 0000 1167 26
Kennwort: Fluthilfe




